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Necrobarista im Test: Willkommen im Terminal!

Lange mussten wir warten, aber nun ist es endlich erschienen – Necrobarista. Die Visual Novel vom Entwickler Route 59 hat ihren ganz eigenen Stil und hebt sich rein optisch bereits von anderen Genrevertretern ab. Zwar konnte ich mir bereits auf der Gamescom 2019 einen ersten Eindruck von dem Titel machen, aber nun konnte ich mir ein Bild vom ganzen Spiel haben. Was genau die Geschichte um das Terminal alles zu bieten hat, erfahrt ihr hier.

Ein letzter Tag auf Erden

Die Handlung Necrobaristas spielt im Terminal, einem Café im australischen Melbourne. Neben dem schlechten Kaffee und der etwas ruppig wirkenden Barista Maddy, hat das Terminal noch eine weitere Besonderheit: Einige der Gäste sind tot. Bevor die Toten weiterreisen dürfen sie vierundzwanzig Stunden im Café verbringen.

Leider schreibt das Café rote Zahlen und das in mehr als nur einer Hinsicht: Ab und zu überziehen einige Gäste und bleiben länger als sie sollten. Dadurch befindet sich das Zeitkonto im negativen Bereich.
So wirklich stören tut unsere Protagonistin das aber nicht – sie hat den Kopf mit anderen Dingen voll. Namentlich ein Ritual vorzubereiten, dessen Zweck sich uns erst im Laufe der Story erschließt.

Liebenswerte Charaktere

In erster Linie erzählt Necrobarista seine Geschichte über die Dialoge der Charaktere. Und diese können sich wirklich sehen lassen. Sie fühlen sich nicht langatmig an, wirken nicht gestellt oder erzwungen. Dazu sind sie meistens ausgesprochen unterhaltsam und witzig, aber auch ernster, wenn es notwendig ist. Alles in Allem macht es bereits Spaß, sie zu lesen.

Die wichtigsten Personen hier sind Maddy, die Protagonistin und seit kurzem auch Besitzerin des Terminals, der kein sarkastischer Kommentar zu viel ist, Chay, der vorherige Besitzer des Cafès und Ashley, eine Schülerin, die quasi bei den beiden wohnt und liebend gerne Roboter zusammenbastelt. Diese kleinen Maschinen unterhalten sich übrigens auch ganz gerne Mal und kommentieren das Geschehen im Café.

Ansonsten wären da noch der kürzlich verstorbene Kishan und Ned, ein Ratsmitglied, das zum Eintreiben der Schulden vorbeischaut. Dazu noch einige Nebencharaktere, die derzeit aber so wenig Screentime haben, dass sie leider nicht sonderlich relevant sind. Das ist durchaus etwas schade. Hier hätte sich das Spiel ruhig mehr Zeit nehmen können. Mir war keiner der Charaktere unsympathisch, darum hätte ich gerne mehr von ihnen gesehen. Die Synergien der einzelnen Charaktere untereinander sind nämlich das, wovon das Spiel in meinen Augen lebt.

An dieser Stelle sei aber gesagt, dass die Entwickler bereits kostenlose Story DLCs versprochen haben. Diese sollen in Zukunft erscheinen und die Nebencharaktere weiter ausbauen.

Das Erkunden des Terminals

Während der Kapitel Necrobaristas kann man immer wieder hervorgehobene Wörter einsammeln. Klickt man auf diese gibt es zusätzliche Informationen, entweder zu dem Begriff selber oder einem der anwesenden Charaktere.

Aus diesen Wörtern könnt ihr am Ende des Kapitels sieben Stück auswählen, die euch dann Tokens verschiedener Kategorien gewähren. Danach dürft ihr in Ich-Perspektive das Terminal erkunden, wobei ihr Erinnerungen – kleine Bonusgeschichten – finden könnt. Habt ihr diese gefunden könnt ihr sie mithilfe der Tokens freischalten und lesen. Diese Geschichten sind über simplen Text erzählt, ohne zusätzliche Bilder oder musikalische Untermalungen, aber auch der Schreibstil ist hier anders, sodass er mehr an einen Roman erinnert. Die Erinnerungen können ungemein hilfreich sein, um ein tieferes Verständnis für die Geschichte zu entwickeln – sind aber nicht notwendig. Hat man das Spiel durchgespielt erhöht sich die Anzahl an Tokens, die man besitzt, sodass man alle Erinnerungen freischalten kann. Damit sind mehrere Spieldurchläufe nicht nötig.

Die Steuerung des Spiels ist in diesen Passagen manchmal etwas hakelig, wenn man mit dem Controller spielt. Dies ist aber nicht so gravierend, dass es den Spaß mindern würde.

Einzigartiger Stil

Das zweite Element, dass Necrobarista für das Erzählen seiner Geschichte nutzt, ist die Optik. Anstelle der klassischen 2D-Artworks, die man normalerweise von Visual Novels gewohnt ist, setzt diese auf cinematische 3D-Szenen. Diese sind teilweise animiert, aber meistens eher Standbilder mit Kamerafahrt. Dadurch gibt es eine zusätzlich Dynamik und das Spiel kann auf langatmige Beschreibungen von Personen und Aktionen verzichten. Hierbei ist der Artstyle auch nicht zu unterschätzen – er ist ausgesprochen schön anzusehen und gibt dem Spiel eine ganz eigene Note.

In einem Satz zusammengefasst fühlt Necrobarista sich im Vergleich zu anderen Visual Novels an wie ein Comic im Vergleich zu einem Buch.

Ein weiteres Element, das Necrobarista bemerkenswert gut macht, ist die Hintergrundmusik – die Soundtracks sind entspannend und fangen die Atmosphäre ein, die gerade von der Story vorgegeben wird. Unabhängig vom Spiel kann ich nur wärmstens empfehlen, hineinzuhören.

Fazit

Alles in allem ist Necrobarista eine solide Visual Novel. Und zwar wirklich nur das, es gibt keine Minigames, keine Entscheidungen, die die Story ändern. Das ist natürlich absolut nicht schlimm, aber sollte einem vor dem Kauf bewusst sein.

Ich hätte mir aber durchaus gewünscht, dass das Spiel sich etwas mehr Zeit nimmt, sowohl um Charaktere aufzubauen, als auch das Worldbuilding etwas mehr zu beschreiben.

Die Hauptgeschichte, die sich in erster Linie um Maddy und Chay dreht, ist aber schön erzählt und es kommt genau das rüber, was rüberkommen soll. Untermalt von der passenden Hintergrundmusik und der visuellen Präsentation bietet sie ein stimmiges Erlebnis.

Je nachdem, ob man ein schneller Leser ist, ist man vielleicht etwas schneller mit dem Spiel durch, aber man kann mit ungefähr fünf Spielstunden rechnen. Dazu kommen noch kostenlose Gameplay- und Story-DLCs, die bereits für Ende des Jahres angekündigt worden. Der Preis von etwa 20€ ist in meinen Augen aber  durch die Qualität des Spiels definitiv gerechtfertig. Derzeit ist Necrobarista nur auf Steam erhältlich, aber nächstes Jahr soll es auch auf Switch und PS4 erscheinen.

Pro
Contra
Story
90%
  • Schön erzählte Geschichte
  • Kostenlose DLCs zur Erweiterung der Geschichte angekündigt
  • Nebencharaktere kommen derzeit noch etwas kurz
Steuerung
90%
  • Weniger angenehm mit Controller
Grafik & Sound
100%
  • Wunderschöner Artstyle
  • Angenehme Hintergrundmusik

Katharina Mundt

Ich bin Katharina Mundt, stamme aus Lübeck und bin seit meiner Kindheit ein riesiger Fan von Videospielen. Mittlerweile bin ich zweiundzwanzig Jahre alt und studiere in meinem Geburtsort.

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Claritas

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Lange mussten wir warten, aber nun ist es endlich erschienen – Necrobarista. Die Visual Novel vom Entwickler Route 59 hat ihren ganz eigenen Stil und hebt sich rein optisch bereits von anderen Genrevertretern ab. Zwar konnte ich mir bereits auf der Gamescom 2019 einen ersten Eindruck von dem Titel machen, aber nun konnte ich mir ein Bild vom ganzen Spiel haben. Was genau die Geschichte um das Terminal alles zu bieten hat, erfahrt ihr hier.
Ein letzter Tag auf Erden
Die Handlung Necrobaristas spielt im Terminal, einem Café im australischen Melbourne. Neben dem schlechten Kaffee und der etwas ruppig wirkenden Barista Maddy, hat das Terminal noch eine weitere Besonderheit: Einige der Gäste sind tot. Bevor die Toten weiterreisen dürfen sie vierundzwanzig Stunden im Café verbringen.

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