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Klage in den USA: Amazon wehrt sich gegen Fake-Rezensionen

Möchte man bei Amazon einen Artikel kaufen, orientiert man sich in der Regel an den Kundenrezensionen. Dass diese nicht immer ganz glaubwürdig, sondern mitunter gekauft worden sind, wissen wir bereits seit längerem. Nun scheint Amazon diesem schlechten Image entkommen zu wollen. Der Onlineversandriese hat falschen Rezensionen nämlich kurzerhand den Kampf angesagt. Eine entsprechende Klage vor Gericht wurde bereits eingereicht.

Fake-Rezensionen als lukratives Geschäft

Es ist zu einem lukrativen Geschäft geworden, gute Rezensionen gegen bare Münze anzubieten. Das gilt wohl bei keinem Onlineshop so sehr wie bei Amazon. Drei der größten Anbieter für Fake-Reviews sind „AppSally“, „Pingjiae“ und „Rebatest“. Dabei ist es nicht nur Ziel vieler Käufer der Schein-Rezensionen, die eigenen Produkte im guten Licht dastehen zu lassen. Obendrein wird schamlos angeboten, Konkurrenzprodukte mit schlechten Wertungen zu brandmarken. Das sorgt nicht nur dafür, dass man auf Amazon vielen Bewertungen schlichtweg nicht mehr Glauben schenken kann. Obendrein wird der Ruf des Konzerns von CEO Jeff Bezos beschmutzt.

Natürlich nutzen viele eher unbekannte Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte für Kunden interessanter zu machen. Dass sich dies auszahlt, wird in der Praxis mehr als deutlich. Schließlich hat sich Amazons Bewertungssystem mittlerweile in den Köpfen von Verbrauchern verfestigt. Hat ein Artikel fünf Sterne, greifen Interessenten meist blind zu. Kommt das Produkt dann zuhause an, offenbart sich die Wahrheit minderer Qualität. Adressat der Beschwerden ist dann meist Amazon selbst, obwohl der Marktplatz eigentlich nichts für die falschen Bewertungen kann. Um das Problem endgültig aus der Welt zu schaffen, möchte Amazon nicht mehr tatenlos zusehen. Zu Beginn der Woche habe man deshalb gegen die besagten drei Anbieter für Fake-Rezensionen Klage am Gericht des US-Bundesstaates Washington eingereicht.

Verletzung des Verbraucherschutzgesetzes

Doch wie läuft das in der Praxis ab? Möchte ein Unternehmen eine gefälschte Rezension für sein Produkt haben, geht es auf einen Anbieter wie die oben genannten zu. Dieser wiederum verlangt eine nicht zu verachtende Summe für die Kundenbewertung. Geschrieben werden die positiven oder negativen Einschätzungen dann wiederum von anderen Personen, die für AppSally und Co. arbeiten. Diesen winkt dann ein Anteil, welchen sie in Form von kostenlosen Produkten, Gutscheinen oder Geld erhalten. Davon hat Amazon jetzt die Nase voll. Der Onlineversandriese argumentiert in seiner Anklage damit, dass die Unternehmen mit ihrem Handeln gegen das Verbraucherschutzgesetz von Washington verstoßen.

Insbesondere die Irreführung von Verbrauchern steht dabei im Fokus der Vorwürfe. Weiterhin nehmen sie laut Amazon Einfluss auf potentielle Vertragsschlüsse, da sie auf die Entscheidungsfindung von Kunden einwirken. Die Krönung des Ganzen ist, dass sich die Vermittler von Fake-Rezensionen an dem ganzen Vorgehen auch noch ungerechtfertigter Weise bereichern. Dass ein derartiges Vorgehen gegen die Grundsätze von Amazon verstößt, geht bereits aus den Geschäftsbedingungen hervor. Aus diesen lässt sich nämlich eindeutig herauslesen, dass Kundenbewertungen, die durch Anreize geweckt werden, untersagt sind.

Folgen für Kunden der Rezensions-Vermittler

Mit seiner Anklage möchte Amazon einiges erreichen. Allen voran verlangt der Onlineversandriese im Rahmen einer Unterlassungserklärung, dass sich die drei Anbieter verpflichten, ihre fragwürdigen Geschäfte niederzulegen. Obendrein möchte der Konzern einen umfassenden Einblick in die Gewinne erhalten, die AppSally und die beiden anderen Unternehmen mit ihren Machenschaften generiert haben. Darüber hinaus fordert Amazon Schadensersatz in dreifacher Höhe, um für eine gewisse Kompensation zu sorgen.

Doch auch die Händler, welche die Unterstützung der Vermittler angefordert haben, müssen womöglich fürchten. Schließlich forderte der Online-Marktplatz die Offenlegung aller Auftraggeber. Möglicherweise könnte diesen dann ein Vertriebsverbot auf der Plattform drohen. Außerdem sollen AppSally und Co. preisgeben, über welche Accounts die Rezensionen geschrieben wurden. Auch hier dürfte Amazon dann wohl durchgreifen und die entsprechenden Profile löschen.

200 Millionen „verdächtige“ Bewertungen in einem Jahr

Sollte Amazon selbst auf eine Rezension treffen, die allen Anschein nach in Auftrag gegeben wurde, wird diese umgehend gelöscht. Derartige Bewertungen scheint es auf dem Online-Marktplatz viele zu geben. So musste man im Jahr 2020 über 200 Millionen mutmaßlich gefälschte Rezensionen kurzerhand löschen. Zum Vergleich: Insgesamt wurden in diesem Jahr ca. 1,5 Milliarden Bewertungen abgegeben. Der Anteil möglicher Fake-Reviews wächst somit immens. Amazon selbst zeigt sich mit seiner Klage nun siegessicher. Schließlich kann der Konzern auf bereits erfolgreiche geführte Gerichtsverfahren zurückblicken. Erst im vergangenen Jahr sorgte eine Klage gegen ein in Deutschland geführtes Portal für Aufsehen.

So machte Amazon kurzen Prozess und entfernte alle Auftraggeber von ihrem Marktplatz. Der Rezensionsvermittler Rebatest kann seinerseits nicht verstehen, warum Amazon gegen die Bewertungen vorgeht. Schließlich lässt der Anbieter es seinen Textern von Rezensionen offen, wie sie bewerten. Amazon selbst hält dieser Aussage entgegen, dass Goodies wie kostenlose Produkte oder andere Prämien erst bei Wertungen ab 4,65 von 5 Sternen winken. Die Kunden von AppSally und den beiden anderen Vermittlern sind übrigens positiv gestimmt. Zumindest, wenn man den Bewertungen auf den Portalen Glauben schenken mag. Angesichts der negativen Schlagzeilen, muss man das wohl bezweifeln.

Jens Scharfenberg

Gaming und Technik waren stets meine Leidenschaft. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Als passionierter "Konsolero" und kleiner "Technik-Geek" begleiten mich diese Themen tagtäglich.

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