Ratgeber

Wärmepumpe nachrüsten – Sinnvoll oder Schnapsidee?

Während die Heizsaison bereits in vollem Gange ist, hast du dir bestimmt bereits mehrmals den Kopf darüber zerbrochen, wie du deine Heizkosten diesen Winter am besten in den Griff bekommen kannst. Die Gas- und Heizölpreise steigen, jene von Pellets schießen regelrecht durch die Decke. Vor allem in unzureichend isolierten Gebäuden kann sich ein Wechsel des Heizungstyps durchaus lohnen. Wenn du beispielsweise mit alten, vergleichsweise ineffizienten Systemen heizt, kann das Einsparpotenzial sogar noch größer ausfallen. Der Wechsel von Gasheizung zu Wärmepumpe oder einer Wärmepumpe zur Heizungsunterstützung ist bei neueren Gebäuden oftmals gar kein großer Aufwand. Bei uns erfährst du, worauf du beim Wärmepumpe nachrüsten achten solltest und welche baulichen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um den Umstieg relativ kostengünstig zu realisieren.

Wärmepumpe: Voraussetzungen am Gebäude

Bevor du dich für eine Wärmepumpe entscheidest, solltest du ein paar Dinge im Vorfeld klären, die dein Haus betreffen.

  • Die Anschaffung einer Wärmepumpe lohnt in der Regel nur bei einer Heizlast von unter 15 bis 20 kW. Benötigst du mehr, ist vielleicht erst eine energetische Sanierung des Gebäudes sinnvoller, sodass dessen Heizlast sinkt.
  • Bei hohem Warmwasserbedarf ist die Installation einer Wärmepumpe ebenfalls nicht unbedingt empfehlenswert. Bei einem 4-5-Personenhaushalt oder einem Wellnessbereich im Gebäude reicht eine Wärmepumpe allein meist nicht aus.
  • Wärmepumpen eignen sich vorwiegend als Fußboden- oder maximal als Wandheizung mit niedrigen Vorlauftemperaturen von unter 50 °C. Bei Heizkörpern reicht das oftmals nicht aus, um den Raum zu erwärmen. In diesem Fall ist es gegebenenfalls notwendig, auf andere Heizkörper umzusteigen oder nachträglich eine Fußbodenheizung zu installieren.

Hast du diese drei Punkte geklärt, steht einer Wärmepumpen-Installation in deinen eigenen vier Wänden nichts mehr im Weg – abgesehen von der Verfügbarkeit der Produkte bis zu möglicherweise notwendigen Genehmigungen. Aber Kopf hoch, im nächsten Winter könntest du bereits per Wärmepumpe heizen.

Heizungsarten: Wärmepumpe ist nicht gleich Wärmepumpe

Damit dir die Entscheidung für einen bestimmten Heizungstyp leichter fällt, solltest du dich außerdem mit den spezifischen Kennzahlen und Bauweisen der drei gängigen Wärmepumpen auseinandersetzen. Jede Variante bringt ganz bestimmte Vor- und Nachteile mit sich, die sich letzten Endes auch in den Vorbereitungs-, Anschaffungs- und Installationskosten bemerkbar machen.

Luft-Wasser-Wärmepumpe

Die mit Abstand einfachste Variante einer Wärmepumpe ist die Luft-Wasser-Variante. Als Wärmequelle wird dafür einfach die Umgebungsluft genutzt, daraus Wärme entzogen und dem Heizsystem zugeführt. Es werden dafür keine aufwendigen Bohrungen oder anderweitigen Vorbereitungen notwendig, sodass du dieses System zeitnah in Betrieb nehmen kannst, ohne das Bestandsgebäude großartig umbauen zu müssen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt aber in Sachen Effizienz nicht an die anderen Systeme heran. Dafür ist diese aber auch das vergleichsweise kostengünstigste System. Älteren Generationen von Luft-Wasser-Wärmepumpen wird aber nachgesagt, ordentlich Lärm zu erzeugen, sodass du den Aufstellungsort in so einem Fall genau überdenken solltest.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Speicher im Heizraum
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Speicher im Heizraum

Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Die etwas kompliziertere Variante einer Wärmepumpe ist jene, in welcher das zur Verfügung stehende Grundwasser als Wärmequelle genutzt wird. Dabei sind zwei Bohrungen notwendig, über welche das Wasser entnommen und wieder abgegeben wird. Dieses Szenario setzt aber nicht nur eine behördliche Genehmigung voraus, sondern auch ein ausreichend großes Grundwasserreservoir in unmittelbarer Gebäudenähe. Es kann also sein, dass sich diese Variante in deinem Wohngebiet gar nicht rentiert oder du vergebens auf die Genehmigung wartest, weil sich die Stadtverwaltung quer stellt.

Bist du aber bald künftiger Besitzer einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe, kannst du dich glücklich schätzen. Diese Anlagen bieten eine hohe bis sehr hohe Effizienz, da das Grundwasser meist über das gesamte Jahr eine relativ konstante Temperatur aufweist. Folgend sind die laufenden Kosten einer Wärmepumpe als Heizung geringer als bei anderen Heizungstypen.

Erdwärmepumpe (Sole-Wasser-Wärmepumpe)

Ab einer Tiefe von etwa eineinhalb Metern liegt die Durchschnittstemperatur der Erde ganzjährig über dem Gefrierpunkt. Aus diesem Grund kann die Wärmegewinnung einer Wärmepumpe auch über die Erde erfolgen. Dabei gibt es gleich mehrere Möglichkeiten der Rohrverlegung. Die effizienteste Variante ist eine sogenannte Tiefenbohrung, bei der ein bis zu 100 Meter tiefes Loch ins Erdreich gebohrt und am Grund des Lochs eine Sonde platziert wird. Diese kostspielige Lösung benötigt aber eine Genehmigung vom Wasser- und Bergbauamt, sodass du hier vielleicht mit etwas höherem Initialaufwand rechnen musst.

Funktionsprinzip Erdwärmepumpe: Lange Rohrleitungen in tieferen Erdschichten erwärmen Wasser oder Sole.
Funktionsprinzip Erdwärmepumpe: Lange Rohrleitungen in tieferen Erdschichten erwärmen Wasser oder Sole.

Eine weitere beliebte Möglichkeit, diese Pumpenart zu installieren, ist die Nutzung eines Flächenkollektors. Dabei benötigst du aber ein relativ großes Grundstück. In etwa 1,5 Metern Tiefe werden Rohrleitungen verlegt und eine große Fläche damit abgedeckt. Stelle dich hier auf umfangreiche Aushubarbeiten ein, die ebenfalls Kosten verursachen, aber weniger als eine Bohrung. Eine Genehmigung ist hierfür in der Regel nicht notwendig. Du hast weder Lust auf eine Tiefenbohrung noch ausreichend Platz für einen Flächenkollektor? Mit sogenannten Erdwärmekörben, die in bis zu vier Metern Tiefe angebracht werden, kannst du dem entgegensteuern und trotzdem auf kleiner Fläche möglichst viel Erdraum abdecken. Ist eine Erdwärmepumpe aber erst einmal installiert, profitierst du von der effizientesten Variante und sparst dadurch auch noch bares Geld ein.

Luft-Luft-Wärmepumpe (für vorhandene Lüftungsanlagen)

Bei größeren Gebäuden mit installierter Abluftanlage kann die Nutzung einer Luft-Luft-Wärmepumpe die Heizkosten des Gebäudes spürbar senken. Diese Art der Wärmepumpe nutzt die im Abluftstrom enthaltene Wärme, um diese wieder dem Heizkreislauf zuzuführen. Anschließend wird die gekühlte Abluft nach draußen geleitet. Umgekehrt zieht die Anlage Frischluft durch einen Luftfilter an, reinigt diese und wärmt die gereinigte Luft vor. In einem optionalen Erdwärmetauscher kann die Luft weiter erwärmt werden.

Eine weitere positive Eigenschaft der Luft-Luft-Wärmepumpe liegt darin, dass die Anlage auch im Sommer für eine angenehme Wohntemperatur sorgen kann. Die Luft-Luft-Wärmepumpe eignet sich aber vorwiegend für ordentlich gedämmte Gebäude wie Passiv- oder Niedrigenergiehäuser.

Solargestützte Wärmepumpe

Während du konventionelle Photovoltaikpaneele wahrscheinlich mit Stromgewinnung verbindest, kannst du die Wärmeenergie der Sonne auch für Heizzwecke nutzen. So weit nichts Neues. Mit speziellen Solarpaneelen ist es aber möglich, diese mit einer Wärmepumpe zu kombinieren. Dabei wird entweder das vorgewärmte Wasser direkt in den Heizkreislauf geleitet oder über die Wärmepumpe noch auf die gewünschte Vorlauftemperatur aufgeheizt. Am Ende sparst du dadurch wertvolle Energie, während die Paneele in der Regel kostengünstiger als konventionelle Solarmodule zu haben sind. Einzig die Installation auf dem Dach sowie Verlegung von Wasserleitungen kann noch eine kleine Hürde darstellen.

Hier wird ausnahmsweise mal keine elektrische Energie generiert: Wärmekollektoren auf dem Dach
Hier wird ausnahmsweise mal keine elektrische Energie generiert: Wärmekollektoren auf dem Dach

Mit solargestützten Wärmepumpen kannst du aber im Winter nicht nur deine eigenen vier Wände beheizen, sondern außerdem sehr kostengünstig Brauchwasser erwärmen. Im Sommer zwar etwas besser als in winterlichen Monaten, aber dennoch reicht die generierte Wärme bei direkter Sonneneinstrahlung bereits aus, um die notwendige Energie zur weiteren Erwärmung auf ein Minimum zu reduzieren.

Über Förderungen nachdenken und diese Gegebenenfalls in Anspruch nehmen

Zugegeben, Wärmepumpen sind nicht die kostengünstigste Heizungsart, weil die Installation oftmals mit großem Aufwand verbunden ist. In der Regel ist es aber bei diesem Heizungstyp so, dass sich die Gesamtkosten bereits nach einigen Jahren amortisieren und die Betriebskosten meist ohnehin geringer ausfallen als bei Gas und Öl. Wärmepumpen sind aber förderfähig, sodass du dir je nach Bundesland und Typ einen großen Betrag wieder zurückholen kannst. Wichtig ist, dass du dich aber unbedingt im Vorfeld informieren und Anträge einreichen musst – und nicht erst, wenn du das Angebot bereits unterschrieben hast und die Bauarbeiten in vollem Gange sind.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erlaubt einen Zuschuss von maximal 24.000 Euro bei bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Basis liegt bei 25 Prozent, sodass du beim Einbau einer Wärmepumpe in der Regel mit dieser Förderung rechnen kannst. Darüber hinaus erhältst du weitere 5 Prozent, wenn du dich für eine „effiziente“ Wärmepumpe entscheidest, also jene mit Wärmequellen aus Wasser, Erdreich oder gar Abwasser. Mit etwas Glück kommt sogar noch der Heizungsaustausch-Bonus zur Geltung, wenn du eine Öl-, Kohle- oder Nachtspeicherheizung aktuell nutzt. Dieser Bonus gilt außerdem für Gasheizungen, die bereits mindestens 20 Jahre in Betrieb ist. Ausfüllen und Einreichen kannst du die Anträge direkt beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Wärmepumpe selbst installieren

Gerade die Installation einer Wärmepumpe beziehungsweise die Änderung am Heizkreislauf deines Gebäudes kann für Laien aber ein Hindernis darstellen. Wenn du dir also nicht zu 100 Prozent sicher bist, wo du die Wärmerohre am besten verlegst und welchen Teil der Pumpe du an Vor- und Rücklauf anschließt, solltest du lieber einen Fachmann für Heizungsbau damit beauftragen. So hast du bestimmt länger Freude an deiner neuen Errungenschaft.

Nicht nur Kranplätze müssen verdichtet sein: Ein ordentliches Fundament sorgt für einen sicheren Stand deiner externen Luftwärmepumpe.
Nicht nur Kranplätze müssen verdichtet sein: Ein ordentliches Fundament sorgt für einen sicheren Stand deiner externen Luftwärmepumpe.

Möchtest du deine Anlage tatsächlich selbst installieren, solltest du vielleicht einen sogenannten Monoblock in Erwägung ziehen. Bei dieser Geräteart befindet sich alles in einem Gerät, das du außerhalb deines Hauses auf eine solide Plattform aufstellst oder direkt an der Außenwand montierst. Grob betrachtet sieht der Ablauf der Installation dann etwa wie folgend aus.

  • Gießen des Außenfundaments
  • Herstellen einer Mauerdurchführung für Strom- und Wärmeleitungen
  • Gegebenenfalls Montage eines Warmwasserpufferspeichers im Innenbereich
  • Ziehen der Rohrleitungen und Verbinden der Anlage mit dem bestehenden System
  • Elektrischer Anschluss an die Unterverteilung (Leistung beachten, FI-Schutzschalter auch bei Wärmepumpe oftmals nicht nur empfehlenswert, sondern in manchen Ländern vorgeschrieben)
  • Inbetriebnahme

Kleines Wärmepumpen-FAQ

Wärmepumpen sind für viele Hausbauer und Heimwerker Neuland. Aus diesem Grund ist es nicht unwahrscheinlich, dass dir vielleicht ein paar Fragen auf der Zunge brennen, die wir dir hier vielleicht beantworten können.

Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?

Gerade im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten kann eine Wärmepumpe durchaus auch in einem Altbau eine sinnvolle Investition sein. Du solltest dabei aber darauf achten, dass die zukünftige Wärmepumpe möglichst wirtschaftlich arbeitet, sprich die Vorlauftemperatur möglichst gering ausfällt und ein möglichst effizientes Medium zur Temperaturgewinnung gewählt wird. Beispielsweise eine Erdwärme- oder eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe.

Gasheizung tauschen, Wärmepumpe einbauen – ist das sinnvoll?

Je nach örtlichen Gegebenheiten kann der Umstieg auf eine Wärmepumpe sowohl ökologisch als auch ökonomisch betrachtet eine Verbesserung bringen. Neue Wärmepumpen arbeiten oftmals effizienter als Gasheizungen. Vor allem in Kombination mit Photovoltaik kannst du die laufenden Kosten auf ein Minimum reduzieren, wenn du den alten Gasbrenner hinauswirfst und eine effiziente Wärmepumpe in deinem Haus einzieht.

Kann man eine Wärmepumpe in bestehende Gasheizung einbinden?

In Form einer Hybridheizung kannst du ohne Weiteres eine neue Wärmepumpe deiner bestehenden Gas- oder Ölheizung hinzufügen. Speziell bei Neubauten werden beispielsweise sogar Hybridheizungen in sehr kompakter Form verbaut, die beides in einem Gerät vereinen. Aufgrund der höheren Kosten bei Anschaffung und (Gas-)Betrieb bieten sich dir dadurch aber kaum Vorteile – es sei denn, die Wärmepumpe alleine kann die notwendige Leistung nicht erreichen.

Lässt sich eine Wärmepumpe nachrüsten ohne Fußbodenheizung?

Lange Zeit galt eine Kombination aus Wärmepumpe und Fußbodenheizung als ideal. Mittlerweile hat sich aber einiges getan und der Technologiesprung im Bereich Wärmepumpen sorgt dafür, dass diese Anlagen auch in Neu- und Altbauten ohne Fußbodenheizungen relativ effizient betrieben werden können. Idealerweise sind die Heizkörper möglichst großflächig, sodass trotz geringerer Vorlauftemperatur möglichst viel Wärme abgegeben werden kann. Im Einzelfall ist es vielleicht notwendig, zu kleine Heizkörper durch größere zu ersetzen, sodass die Wärmeabgabe optimal ablaufen kann.

Welche Wärmepumpe für den Altbau?

Im Altbau stellen oft mangelnde Dämmung sowie die nicht vorhandene Fußbodenheizung kleinere, ineffizientere Wärmepumpen oftmals vor eine Herausforderung. Stelle dich in diesem Szenario also schon einmal darauf ein, dass du eine möglichst leistungsstarke, aber vor allem auch effiziente Wärmepumpe benötigst, die auch mit konventionellen Heizkörpern klarkommt und Wärmeverluste durch schlecht isoliertes Mauerwerk ausgleichen kann.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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