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„Outlast 2“ im Test – Das Böse lauert in den Wäldern

Mit Outlast lieferte Red Barrels Games seinerzeit einen wegweisenden Horrorschocker, der vor allem durch eine unheilvolle Atmosphäre, ein düsteres Setting sowie panische Verfolgungsjagden den Nerv der Spieler vollends traf. Nun lieferten die Entwickler am 25. April 2017 den langersehnten Nachfolger und entführen den Spieler ein erneutes Mal in ein schier unendliches Labyrinth des Grauens. Ob auch der zweite Teil seinen ganz eigenen Reiz ausübt und für atemlose Spielesessions sorgt, erfahrt ihr in unserem Text.

Story: In den Fängen religiöser Fanatiker

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In Outlast 2 schlüpft ihr in die Rolle des Kameramanns Blake Langermann, der gemeinsam mit seiner Frau einen brutalen Mord in Arizona aufzuklären will. Gemeinsam fliegen die beiden mit dem Hubschrauber zu dem grausigen Schauplatz des Geschehens. Doch plötzlich fällt die Technik aus und der Hubschrauber stürzt binnen Sekunden ab. Als Blake erwacht, findet er nur noch die Trümmer des Wracks sowie seine Kamera vor – seine Frau ist jedoch wie vom Erdboden verschwunden. So begibt sich Blake auf eine unheilvolle Reise durch die düsteren Wälder und ahnt bereits jetzt, das ihn nichts Gutes erwartet. Schließlich stößt er auf ein verwittertes Dorf und stellt schnell fest, dass die Bewohner ihre ganz eigenen Sitten und Bräuche haben. Für Blake beginnt eine erbarmungslose Hetzjagd durch verrottete Ortschaften, dichte Bäume und weitläufige Maisfelder.

Gameplay: Wenn jedes Versteck zur tödlichen Falle wird

Auch in Outlast 2 halten die Entwickler an ihrem gewohnten Spielprinzip fest und werfen euch einer Horde verrückter Gestalten zum Fraß vor. Im Fokus des Geschehens steht ganz klar das Thema Religion mitsamt seinen fanatischen Gläubigern und den Ketzern, die ins Rennen geschickt werden.

Das wohl wichtigste Werkzeug auf eurer Reise ist eure Allround-Kamera, die euch immer wieder dazu verhilft, eure Umgebung punktgenau einzufangen und euch ein wahres Reporter-Feeling verleiht. So nehmt ihr einzelne Gegenstände mit der Zoom-Funktion genauer unter die Lupe, schaut euch per Knopfdruck blitzartig um oder belauscht mit einem Mikro eure Umgebung, um Gegner genauer zu lokalisieren. Eure meine Aufnahmen könnt ihr dabei immer wieder im Menü der Kamera abspielen und erlangt so nach und nach wichtige Hintergrundinformationen, die der Aufklärung des rätselhaften Todes dienlich sind. Da die Kamera nicht selten euer Überleben und Fortkommen sichert, ist es unerlässlich, stets auf der Jagd nach Batterien zu sein und den Akkustand regelmäßig zu überprüfen.

Neben den durchgedrehten Kultisten stellen sich euch immer wieder beinharte Supergegner in den Weg, die euch als übermächtige Widersacher oftmals mit einem Schlag ins Nirvana befördern. So hetzt ihr von einer haarsträubenden Situationen zur nächsten, rennt in Rekordtempo, nur um euch im nächsten Moment wieder auf leisen Sohlen durch die Gefilde zu schleichen. Das ganze Setting ist abwechslungsreich gestaltet, allerdings aufgrund seiner brutalen Darstellung nichts für zarte Gemüter. Ihr schleicht durch hölzerne Baracken, rennt geradewegs durch verwirrende Maisfelder, watet durch dunkle Flüsse oder durchforstet heruntergekommene Minenschächte. Schränke und Fässer bieten euch zumindest kurzfristig ein Versteck, um zu verschnaufen, wirklich sicher seid ihr dort aber nicht. Denn eure Verfolger können nicht nur besonders schnell rennen, sie nehmen auch mit Vorliebe gerne mal alles auseinander und scheinen euch förmlich zu riechen.

Gameplay II: Jeder Nervenkitzel verliert irgendwann seinen Reiz

Was hinter dem religiösen Kult samt seiner Anhänger wirklich steckt und was es mit der gefundenen Leiche auf sich hat, kristallisiert sich zunehmend im Spielverlauf heraus. So sammelt ihr immer neue Dokumente, die sich wie Puzzleteile nach und nach zu einem großen Ganzen zusammensetzen lassen. Ähnlich wie der Vorgänger versprüht auch Outlast 2 ein intensives Gefühl der Bedrohung lässt euch bei dem kleinsten Knarzen zusammenzucken. Denn neben viel Blut und Gemetzel spielt sich der Horror hier auf mehreren Ebenen ab und appelliert unweigerlich an die Fantasie des Spielers.

Denn wirklich zur Ruhe lässt euch das Spiel selten kommen. So werden kurze Pausen gerne dafür genutzt, euch einen explosiven Jumpscare erster Güte um die Ohren zu hauen. Doch auch wenn die bildhafte Symbolik als auch das atmosphärische Setting für sich sprechen, nutzt sich das eigentliche Spielprinzip im Laufe des Geschehens immer weiter ab. Denn wenn ihr gefühlte zehn Stunden über das Maisfeld lauft, wird die Verfolgungsjagd irgendwann zur Gewohnheit, der ihr nur noch ein müdes Lächeln abgewinnt.

Balance: Game-Over die zehnte!

Ein weiterer Wermutstropfen ist der äußerst knackige Schwierigkeitsgrad, der selbst auf der geringsten Stufe kaum Fehler erlaubt. So mündet manch spannende Verfolgung schnell in eine anstrengende Dauerschleife, wenn eure Feinde scheinbar unkaputtbar sind und jeden eurer Schritte vorausahnen. Gepaart mit den rar gesetzten Speicherpunkten lässt das Ganze ordentlich Frust aufkommen, da bestimmte Spielpassagen immer und immer wieder passiert werden müssen.

Steuerung: Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen

Positiv anzumerken ist hier die durchaus intuitive Steuerung, die zu eurem Wohlgefallen auf ein störendes Benutzerinterface verzichtet. Einzig die in dem Spiel nutzbare Kamera liefert euch hilfreiche Blickfeldanzeigen, die euch aber nur zu Gute kommen.

Grafik und Sound: Kalt und düster wie die tiefen Wälder

Optisch ist Outlast 2 kein Vorreiter in seinem Genre, fokussiert sich aber auf das Wesentliche. Das eher begrenzte Farbspektrum verleiht dem Setting eine ganz besonders kalte Stimmung, während des Spiel aus Licht und Schatten hier meisterhaft gelingt.

Maßgeblich zu der schaurigen Atmosphäre trägt vor allem der exzellente Soundtrack bei, der dank der richtigen Abmischung vor allem Schockmomente immer wieder gut in Szene setzt. So begleiten euch glasklare Aufnahmen, während ihr in spannungsgeladenen Schleichpassagen nur noch euren Herzschlag hören könnt. Einzig die eher schwache Vertonung der Figuren wirkt teilweise doch sehr gekünstelt und fügt sich nicht immer in das Gesamtgeschehen ein. Auch mit einer deutschen Sprachausgabe wurde hier wieder einmal gegeizt.

Fazit: Ein packendes Horrorerlebnis, das seine Wirkung leider zu früh verliert

Mit Outlast 2 erleben bahnbrechende Verfolgungsorgien ihre Fortsetzung, die euch ein erneutes Mal ein ganzes Arsenal ekliger Widersacher präsentiert. Das Kernthema ist spannend inszeniert und die Balance aus Hetzjagd und Schleicheinlagen gelingt in großen Teilen sehr gut. Obwohl das Game gerade in den ersten Minuten mit einer unbändigen Spannung punktet, zieht sich der eigentliche Plot doch zunehmend wie Kaugummi und präsentiert dem Spieler einmal zu oft den Game-Over-Bildschirm. Mit einer soliden Grafik und einem gelungenen Klangteppich kreiert Red Barrels Games ein blutiges Festmahl, das Fans des Horrorgenres auch dieses Mal zu fesseln weiß.

Pro
Contra
Story
80%
+ atmosphärisches Setting
+ interessante Kernthematik
+ Hintergrundgeschichte setzt sich wie ein perfides Puzzle zusammen
– Game verliert regelmäßig den roten Faden
– wenig Hintergrundinfos zu den Nebencharakteren
Gameplay
75%
+ vielseitige Nutzung der Kamera
+ packende Fluchtsequenzen
+ abwechslungsreiche Kulissen
+ zahlreiche Versteckmöglichkeiten
– Prinzip der Verfolgung wird zu stark ausgereizt
– keine wirklichen Fluchtmöglichkeiten
– immergleiche Gegner
– kaum weitere nützliche Items
Balance
70%
+ anspruchsvolle Gegner – extrem hoher Schwierigkeitsgrad
– teilweise unbesiegbare Feinde
– Verfolgungsjagden kitzeln mitunter an der Frustgrenze
Steuerung
85%
+ intuitive Steuerung mit Fokus auf das Wesentliche
Grafik & Sound
80%
+ solide Grafik
+ Einsatz kalter Farben untermauert das Setting
+ gelungener Klangteppich
– englische Vertonung wirkt teilweise holprig
– keine deutsche Vertonung

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