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Getestet: Bowers & Wilkins PX Kopfhörer – Oberklasse mit Noise-Cancelling

Für audiophile Fans bringt der britische Hersteller Bowers & Wilkins im vierten Quartal letzten Jahres die PX Kopfhörer auf den Markt. Die oberklassigen Bluetooth-Kopfhörer sind der Versuch der Firma, ihre Klanglösungen mit Noise-Cancelling und zahlreichen Features zu verbinden, um auf dem umkämpften Kopfhörermarkt zu bestehen. Für uns sind in diesem Review insbesondere die Features und der Klang der Kopfhörer interessant, welche sich mit einer stolzen UVP von ca. 399 € (aktueller Preis: € 199,30 *) messen müssen.

Das gute Stück auspacken

Die PX Kopfhörer finden sich in einem minimalistisch-designtem weißen Karton wieder. Sie sind kuschelig eingebettet und können zur Aufbewahrung auch wieder in ihre Schaumstoffform gelegt werden. Mit dabei sind eine kleine schwarze Tasche – ein Designerstück -, ein USB-Ladekabel, ein Audio-Klinkenkabel und ein Quickstart. Man kann zwischen zwei Varianten wählen: Space Grey und Soft Gold. Nach dem Aufladen kann man sich auf bis zu 22 Stunden Musikgenuss mit einer Akkuladung freuen.

Design und Qualität

Die Verarbeitung wird der Preisklasse gerecht. Die Kopfhörer haben einen edlen Businesscharme und bestehen aus hochwertigen Materialien. Das Design ist modern und schlicht gehalten. Auffällig ist der Bügel, der die Ohrmuscheln umschlingt und seitlich aufhängt.

PX Gelenke, maximale Länge
PX Gelenke, maximale Länge

Die Ohrpolster sind aus Memory-Schaum und einer Lederauflage gefertigt. Ihre Außenseite ist aus ballistischem Nylon sowie einem Aluminium-Zentrum, welches der mittige Markenname ziert. Eben diese Materialien finden sich auf der Kopfauflage wieder. Mir gefällt der Nylon-Stoff nicht so gut und ich bin kein Fan von Leder-Auflagen (dazu später mehr). Beim Design gibt es aber soweit zielgruppenspezifisch nicht viel zu meckern.

Die Ohrmuscheln lassen sich um ca. 150 Grad drehen, um ca. 45 Grad kippen und nicht einklappen oder seitlich strecken. Das Gelenk ist demnach nicht bewegungsfreudig, aber gut verarbeitet. Die Größenverstellung funktioniert zuverlässig und die Kopfhörer bestehen den Biegetest.

Die Seite des Testobjekts
Die Seite des Testobjekts

Tragekomfort

In dieser Rubrik müssen Bowers & Wilkins Kopfhörer erstmals mehrere Punkte einbüßen. Zunächst wäre da meine kritische Sichtweise für Lederauflagen. Für längere Musiksessions halte ich sie für ungeeignet, weil sie nicht atmungsaktiv sind und die Ohren deshalb schwitzen bzw. die Kopfhörer vermehrt kleben. Die Ear-Pads sind trotz des Memory-Schaums etwas härter als nötig. Die Materialwahl kommt jedoch dem Klang sowie der Geräuschabschirmung zugute und es wird sicherlich Anwender geben, die eine andere Meinung haben.

Die Ohrpolster (Earpads)
Die Ohrpolster (Earpads)

Zwei große Kritikpunkte lassen sich jedoch als unstrittig herausstellen. Zum einen ist der Komfort mit Brille schlecht und auch das Noise-Cancelling sowie die Klangqualität leiden hier drunter enorm. Auf diese Beeinträchtigung weist sogar das Handbuch hin. Die Kopfhörer sind für Brillenträger deshalb nicht zu empfehlen. Zum anderen halten die Kopfhörer nicht gut auf dem Kopf. Im Haltetest verabschieden sich die PX schnell vom Kopf, wenn man sehr ruckartig mit ihm wackelt. Demzufolge gibt es für den Sport bessere Alternativen.

Beim Tragen rutschen die Kopfhörer jedoch nicht und man kann sie über längere Zeiträume gut tragen. Sie liegen auch gut an den Ohren auf. Das Gewicht ist mit 335 g nicht leicht. Alles in einem sind die Kopfhörer mit den genannten Einschränkungen bequem, aber die Konkurrenz zeigt, dass es noch besser geht. Wie in der Einleitung erwähnt, legt zudem der Preis die Messlatte sehr hoch.

Noise-Cancelling

Bowers & Wilkins steigt spät auf den NC-Zug auf, die PX Kopfhörer sind die ersten der Firma mit aktiver Geräuschunterdrückung. Die Nützlichkeit dieser Funktion sollte nicht zu gering bemessen werden, denn Ruhe ist heutzutage willkommener Luxus.

Portraitshot U-Bahn Frau
Portraitshot U-Bahn Frau

Die Over-Ear-Lösung mit Lederpolstern trägt zunächst auch ohne aktives NC dazu bei, dass Umgebungsgeräusche reduziert werden. Die Bauweise zeigt trotz Kritikpunkte im Komfort den Fokus auf Klang und Noise-Cancelling. Ein weiterer Vorteil ist, dass wenig Klangwellen nach außen gelangen. Das ist sehr gut, weil man in der Regel nicht die ganze Nachbarschaft in der Bahn o.ä. mitbeschallen möchte.

Die PX schlagen sich beim NC erstaunlich gut. Die Kopfhörer punkten zudem mit vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten für die Geräuschunterdrückung. Diese kann mechanisch per Knopf oder mit der dazugehörigen App ein- und ausgestellt werden. Dem Benutzer stehen in der App drei Modi zur Verfügung: Flug, Büro und Stadt. Der Test zeigt, dass jeder Modus seinen Zweck erfüllt und die Geräuschunterdrückung individualisiert. Es lassen sich verschiedene Abstufungen für die Modi einstellen, mit denen die Lautstärke der durchgelassenen Umgebungsgeräusche reguliert werden. Diese klingt im höheren Bereich jedoch zu künstlich und findet im Alltag kaum Anwendung. Im direkten Vergleich zu Konkurrenzprodukten (konkret Bose oder Sony) fällt das NC von Bowers & Wilkins minimal ab, aber das auf kleinlichem Niveau.

Portraitshot Business Mann
Portraitshot Business Mann

Die Geräuschunterdrückung ist ein nützliches Feature und den Briten mit dem PX sehr gut gelungen.

Klang

Kommen wir nun zum Kerngeschäft der Kopfhörer, dem Klangerlebnis. Die Bowers & Wilkins PX klingen durchweg oberklassig. Die 2x 40 mm Breitband-Chassis leisten ganze Arbeit, der Sound könnte für daily Kopfhörer kaum besser sein.

Die zuvor kritisierte bauliche Abschirmung der Ohrmuscheln und zudem die Anwinkelung der Treiber im Chassis sorgen für ein hervorragendes räumliches Klangbild, das zeigt sich auch im 8D-Audiotest. Die potentielle Lautstärke ist mehr als ausreichend. Die Eingangsimpedanz ist mit niedrigen 22 Ohm für Smartphones und Co. ausgelegt. Der Klang der Kopfhörer ist bei guten Verstärkern auch nicht viel besser als mit guten Dateien. Der Frequenzumfang deckt mit 10 Hz – 20 kHz alles ab.

Angewinkelte Chassis, Interieur
Angewinkelte Chassis, Interieur

Ich habe natürlich wieder unsere ganze Testplayliste durchgehört. Von Klassik über Trance bis hin zu Hard Rock haben sich meine Ohren einiges gefallen lassen müssen. Es hat sich gezeigt, dass die Kopfhörer keine bestimmte Wohlfühlnische haben, sondern in allen Bereichen eine sehr gute Performance abliefern. In den anspruchsvollen Bereichen, etwa Beethovens 4. Klavierkonzert oder bei Filmmusik zeigte sich die Überlegenheit gegenüber vielen Konkurrenzprodukten am deutlichsten. Die Höhen bleiben hier klar und harmonisch. Die PX haben einen kräftigen und präzisen Bass. Die Mitten und Höhen sind gut aufeinander abgestimmt, das Gesamtklangbild ist ausgezeichnet. Das Noise-Cancelling trägt seinen Teil hierzu bei. Man kommt auch bei niedrigen Lautstärken auf seine Kosten. Am besten lässt sich der Klang mit dem Adjektiv natürlich beschreiben.

Im Test hat sich allerdings auch gezeigt, dass die Kopfhörer schlechte Klangquellen nicht wegbügeln. Sie beschönigen nichts. Man sollte daher höher aufgelöste Quellen verwendet werden, um die Klangkapazitäten voll auszuschöpfen. Diese Qualitätsstufe erreicht man aber schon über Bluetooth etwa mit Spotify 320 kbit/s.

In seinem Anwendungsraum ist der Klang des Testobjekts ausgezeichnet. Ihn können nur noch Studiokopfhörer überbieten.

Besonderheiten

Bei einem stattlichen Preis fragt man sich immer, was kann das Produkt, was andere nicht können? Die PX Kopfhörer geben dazu gute Antworten. Neben der hochwertigen Verarbeitung, dem guten Klang und dem Noise-Cancelling gibt es weitere Features, die den Kopfhörer aufwerten.

Der Lieferumfang
Der Lieferumfang

Bedienung

Für die Bedienung hat sich Bowers & Wilkins mit dem PX etwas Besonderes ausgedacht. Mithilfe von Näherungssensoren erkennen die Kopfhörer, ob sie auf dem Kopf aufsitzen. Man braucht sie nicht mehr manuell ein- oder ausschalten. Wenn man Sie beispielsweise für zwei Minuten auf den Tisch legt, schalten sie selbstständig in Standby. Setzt man sie auf, startet auch schon automatisch die Musik, einmal kurz abgehoben und die Musik stoppt. Diese intelligente Unterstützung findet Gefallen, man sollte sie jedoch nach Belieben auch deaktivieren können (etwa in der App).

Die restliche Bedienung wird mithilfe klassischer Knöpfe abgewickelt. Sie liegen unscheinbar an der Rückseite der rechten Ohrmuschel und lassen sich beim Ertasten sehr gut voneinander unterscheiden. Die Knöpfe haben die gängige Funktionszuweisung: Play/Pause (1x Playtaste), Lied vor (2x Playtaste), Lied zurück (3x Playtaste), Anruf annehmen oder ablehnen (Playtaste), Anruf auflegen (Playtaste länger), lauter, leiser. Um das ANC umzuschalten, gibt es eine Extra-Taste.

Es gibt kein Sprachfeedback, dafür aber Soundwiedergaben. Diese können in der App deaktiviert werden. Die Bedienung hat alles, was man sich als Nutzer wünscht, die Sensoren sind ein großes Plus.

Die Knöpfe an der rechten Ohrmuschel
Die Knöpfe an der rechten Ohrmuschel

Bluetooth

Ein weiterer Pluspunkt ist die lange Akkulaufzeit von 22 Stunden (im Test etwas weniger!) im Bluetooth-NC-Betrieb. Die Kopplung mit dem Endgerät geht schnell und problemlos. Hierbei helfen auf Bedarf das Quickstart und eine alles in allem gute deutsche Dokumentation. Positiv ist außerdem, dass die Kopfhörer mit Kabelübertragung verwendet werden können, ein Klinkenkabel ist im Lieferumfang enthalten.

Tasche

Die beilegende Stofftasche ist im Stil der Oberklasse designt und sehr nützlich, um die wertvollen Kopfhörer von A nach B zu bringen. Sie macht optisch etwas her, ist hochwertig verarbeitet und schließt dank Magnetverschluss schnell. Schnelligkeit ist hier das Stichwort: die Benutzerfreundlichkeit ist vielen Konkurrenzprodukten überlegen, weil die Kopfhörer hier nach dem Verwenden sofort ganz hineingepackt werden können. Man muss sie somit nicht noch aufwendig „zusammenfalten“ oder hineinquetschen. Ein kleines Manko ist, dass das Täschchen an den Seiten Öffnungen hat. Hierdurch fällt in der Tasche Schmutz ein und die Schutzfunktion wird gegenüber Hard-Cases beeinträchtigt.

App

Die beim Noise-Cancelling erwähnte App (für Android und iOS) ist ein weiteres Verkaufsargument des britischen Herstellers. Das NC lässt sich hiermit super konfigurieren und die Kopfhörer können aktualisiert und individuell umbenannt werden. Außerdem kann man den Akkustand über die App präzise abgelesen (alternativ mit Status-LED).

Das Feedback zur App ist im Playstore überwiegend negativ, insbesondere wegen der notwendigen Standortberechtigung. Diese dient jedoch der stromsparenden Bluetooth-Nutzung und wird in dieser Form von Android benötigt. Die Verbindung zu den Kopfhörern gelingt leider nicht immer, es muss Musik abgespielt werden, sonst findet das Gerät die Kopfhörer nicht. Mir fehlt in der App noch ein Equalizer oder ein adaptives Noise-Cancelling.

Die App ist trotz genannter Einschränkungen eine positive Ergänzung zum Produkt.

Unser Fazit zum Bowers & Wilkins PX Test

Bei den Kopfhörern sticht der Klang als oberklassig hervor, leider tut es auch der Preis. Unser Test hat ergeben, dass die Kopfhörer für Anwender geeignet sind, die auf herausragenden Klang und gehobenes Design setzen wollen und den nötigen finanziellen Spielraum besitzen.

Viele zusätzliche Features werten das Produkt auf. Die Bedienung, das Noise-Cancelling, die Schnittstellen, die Tasche sowie die qualitative Verarbeitung sind allesamt gelungen. Eigentlich alles super, wären da nicht die Hauptkritikpunkte der Nicht-Eignung für Brillenträger und manchen Sport. Die Schwachstelle der B&W PX* ist der Tragekomfort.

Für Gelegenheitsnutzung mit schlechter skalierten Ausgangsdateien (niedrige Streamingqualitäten etc.) gibt es günstigere Alternativen, deshalb hier einige Einbußen für die Preis-Leistungsbewertung. Audiophile Nutzer sollten sich die Kopfhörer der Briten jedoch auf jeden Fall anschauen, ihr NC Debüt ist gelungen.

Die technischen Daten findet ihr auf der Seite des Herstellers.

Schreibt uns gerne eure Erfahrungen mit den Kopfhörern oder, wenn ihr Fragen zu dem Produkt bzw. dem Test habt!

Bowers & Wilkins PX Kopfhörer

Soundqualität
Design
Verarbeitung
Tragekomfort
Features
Preis-Leistungs-Verhältnis

Oberklasse-Sound

Ein herausragender Klang, gutes Noise-Cancelling und viele zusätzliche Features. Die PX performen in unserem Test sehr gut. Aufgrund des Preises aber nur für Musikliebhaber mit dem nötigen Kleingeld.

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Marlon

Meine Begeisterung für Gaming und meine Neugierde für Hardware führten mich 2015 zu Basic-Tutorials. Neben eigenen Projekten im Bereich CS:GO entwickelte ich Interesse am Verfassen einiger Beiträge für den Blog. Dieser gibt mir fortan eine Plattform, um unverfälschte Produkttests und News über für mich ansprechende Themen zu verfassen. Ich gebe gerne Hilfestellungen und entwickle eigene Rezensionen.

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skyline-

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Für audiophile Fans bringt der britische Hersteller Bowers & Wilkins im vierten Quartal letzten Jahres die PX Kopfhörer auf den Markt. Die oberklassigen Bluetooth-Kopfhörer sind der Versuch der Firma, ihre Klanglösungen mit Noise-Cancelling und zahlreichen Features zu verbinden, um auf dem umkämpften Kopfhörermarkt zu bestehen. Für uns sind in diesem Review insbesondere die Features und der Klang der Kopfhörer interessant, welche sich mit einer stolzen UVP von ca. 399 € (aktueller Preis: € 208,99) messen müssen.

Farbe Space Grey

Farbe Soft Gold

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