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Call of Duty: Infinite Warfare – Galaktischer Knüller oder fades Geballer?

Im Weltall hört dich niemand schreien? Von wegen! Im neuen Call of Duty: Infinite Warfare wird in der endlosen Leere nicht nur geschrien, sondern auch ordentlich geballert und in die Luft gejagt. Aber macht das genauso viel Spaß, wie es sich anhört?

Typische Story

Wer die Kampagne von Call of Duty: Infinite Warfare beginnt, der bekommt einen durchaus wuchtigen, aber nicht mehr unbedingt neuen Einstieg geboten. Man springt als Teil einer kleinen Einsatztruppe aus einem Flieger, saust durch die Luft und landet kurz davor auf einem kargen Eisplaneten. Hier soll eine Stellung der SDF (Settlement Defense Force) ausgehoben werden. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Vorherrschaft im Weltall zu behaupten und will dafür die UNSA (United Nations Space Alliance) in die Knie zwingen. Die UNSA hat dagegen den Auftrag die Pläne der SDF zu stoppen, um die Leben der Menschen auf der Erde und im All zu schützen.

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Schon kurz nach der Landung geht der Einsatz schief. Das Team wird von der SDF überrumpelt und vom Oberbösewicht Admiral Salen Krotch (gespielt von Kit Harington, der Serienfans aus „Game of Thrones“ bekannt sein dürfte) kurzerhand hingerichtet. Es folgt ein Schnitt und die Spieler finden sich in der Rolle von Lieutenant Nick Reyes daheim auf der Erde in Genf wieder. Es ist Fleet Week und in der ganzen Stadt findet eine gewaltige Militärparade statt. Was eigentlich ein Grund zum Feiern hätte sein sollen, entwickelt sich schnell zu einer Katastrophe. Denn die SDF hat sich in die Verteidigungsanlagen eingeklinkt, sodass die gewaltigen Kanonen der UNSA auf die eigenen Flugträger schießen, während gegnerische Truppen die Möglichkeit haben, in dem Tumult auf der Erde zu landen. Reyes muss zusammen mit einigen Kollegen fliehen und hebt ins All ab, wo er kurz darauf zum Kommandanten seines eigenen Raumkreuzers befördert wird. Seine Mission ist es von da an, die SDF komplett zu zerschlagen und ihren Anführer Salen Krotch seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Ein Augenschmaus

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Egal, wo man hinschaut – Infinite Warfare ist eine wahre Freude fürs Auge. Egal, ob man gerade über die einsame, kalte Oberfläche des Eisplaneten spaziert oder sich durch die Gänge eines gegnerischen Kreuzers kämpft, überall ist das Spiel einfach nur schön anzusehen. Szenen wie der Angriff auf Genf sind sogar so filmreif inszeniert, dass man als Spieler die unsichtbaren Wände und Levelschläuche nicht bemerkt, durch die man geschleust wird. Man sieht eine Hafenstraße in Genf, die schier endlos erscheint und dazu einlädt, sie bis zum Ende zu erkunden. Kurz darauf kommt eine riesige Tsunamiwelle angerollt, die eine gewaltige Jacht mit sich reißt und diese dem Spieler einfach in den Weg schleudert, sodass man zwangsläufig zur Seite abbiegen und dem restlichen Levelverlauf folgen muss. Auch die Gefechte im Weltall sind spannend und anschaulich dargestellt, sodass man kaum merkt, dass man sich in einem eher kleinen Level befindet, wenn man zwischen Trümmern und Asteroiden durchfliegen und gegnerische Raumschiffe zerschießen muss. Allerdings gibt es einen Haken bei der grafischen Opulenz: man muss einen eher leistungsstarken PC zur Verfügung haben, damit die Grafik auch richtig zur Geltung kommen kann. Denn leider hat sich Infinity Ward, das Entwicklerteam hinter dem Spiel, einen Kniff überlegt, um den Spielfluss nicht zu hemmen. Wenn die nötigen Ressourcen für die Grafik nicht vorhanden sind, wird das Spiel einfach auf eine niedrigere Einstellung zurückgesetzt. Das spart zwar Kapazitäten ein, damit auch mit weniger aktuellen PCs flüssig gezockt werden kann, ein kleiner Hinweis für die Spieler wäre dennoch wünschenswert gewesen.

Die Qual der Wahl

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Erstmals in der „Call of Duty“-Reihe folgt die Kampagne von Infinite Warfare nicht einer einzelnen linearen Handlung, sondern überlässt es den Spielern, ob sie sich nur an der ca. 6 bis 8 Stunden langen Hauptstory versuchen möchten, oder ob sie auch gelegentlich an optionalen Missionen versuchen wollen. Diese sind zusätzlich kniffelig und bringen in einigen Fällen neue Bewaffnung oder Mods für bekannte Waffen mit sich. Hier kommt auch bereits die zweite Wahlmöglichkeit ins Spiel, denn wie in Black Ops 3 lassen sich in Infinite Warfare nahezu alle Waffen aufbohren und verbessern. Schalldämpfer und Laser-Visiere, besserer Rückstoß oder ein größeres Magazin sollen es den Spielern leichter machen, sich gegen die Massen an Gegnern zur Wehr zu setzen. Das sogenannte „Loadout“ lässt sich dabei für jede Mission wieder verändern, was auch durchaus sinnvoll ist. Denn mal möchte man mit brachialer Gewalt seinen Weg zum Ziel finden, während an anderer Stelle ein leises, taktisches Vorgehen nötig ist, um das Leben gefangener Geiseln nicht zu gefährden. Die richtige Anpassung der Waffen kann in der Missionen bereits ein großer Vorteil sein. Es ist also immer sinnvoll zu überlegen, was von Nick Reyes gefragt ist und was er aus seinem Arsenal mitnehmen sollte, um der SDF ein Schnippchen zu schlagen.

Neue Spielzeuge

Was wäre der neueste Ableger von Call of Duty: Infinite Warfare, wenn es nicht ein paar neue Kniffe geben würde, um das Spiel aufzulockern. Eine der neuen Spielereien ist hierbei eine Gravitationsgranate. Diese lässt sich bei Bedarf wegschmeißen und hebt in einem begrenzten Areal die Schwerkraft für einen Moment auf. Gegner, die sich in Radius der Granate befinden, werden einfach in die Luft gehoben und sind bewegungsunfähig.Sie können dann bequem erledigt werden, bevor sie mit ihren Füßen wieder den Boden berühren. Eine andere Neuerung ist das Hack-Werkzeug. Damit lassen sich aktive Roboter übernehmen. Man springt quasi kurzzeitig in sie hinein und sieht alles aus ihren Augen. Auf diese Weise lassen sich feindliche Stellungen infiltrieren und ausschalten. Wenn die Gegner merken, dass einer aus ihren Reihen nicht mehr im selben Team spielt, ist es meistens schon zu spät. Man kann die noch so gut verbarrikadierten Feinde einfach hinterrücks erschießen und den übernommenen Roboter zusätzlich noch in eine Sprengfalle verwandeln. Denn – wie sollte es anders sein – verfügt jeder Roboter über einen Selbstzerstörungsmechanismus. Der wird ausgelöst, wenn die übernommene Maschine zu viel Schaden einstecken muss oder wenn man auf den entsprechenden Knopf drückt. Geht es mit dem gehackten Roboter also zu Ende, muss man nur noch zur größten Gruppe an Gegnern rennen und auf den lauten Knall warten.

Ebenfalls eine Neuerung, wenn auch nicht unbedingt ein „Spielzeug“, sind die Missionen, die nicht mehr auf festem Boden, sondern in der Schwerelosigkeit des Weltalls stattfinden. Denn ein Nick Reyes lässt sich nicht hinter das Steuerrad eines Sternenkreuzers fesseln. Er will in die Action und an vorderster Front mitmischen. Und das kann er in diversen Missionen, in denen Call of Duty: Infinite Warfare vom normalen Bodengefecht zu intergalaktischen Dogfights wechselt. Die Spieler können sich in einigen Missionen nämlich in einen kleinen Raumgleiter, den Schakal, zwängen und damit ins Weltall fliegen. Für ausgiebige Erkundungsflüge bleibt aber keine Zeit, denn es dauert oft nur wenige Momente, bevor man sich wieder mitten im Feuergefecht befindet. Mal müssen große Schlachtkreuzer der SDF per Dauerfeuer und ständigem Raketenabschuss schrottreif verarbeitet werden und mal wollen feindliche Jäger gejagt werden. Diese sind deutlich schneller und flinker, sodass es Geduld und Geschick bedarf, ehe die Jäger zerplatzen. Das tut dem Spaß in diesen Flugmissionen aber überhaupt keinen Abbruch, sondern macht sie nur noch interessanter und herausfordernder.

Gemeinsam mehr Spaß

Wer sich nicht nur alleine in die galaktischen Gefecht von Call of Duty: Infinite Warfare stürzen möchte, der kann auch einen der unterschiedlichen Multiplayer-Modi ausprobieren. Hierbei gibt es eine bunte Mischung aus alten Bekannten und neuen Vertretern der Mehrspieler-Ballereien. Man kann sich beispielsweise für ein klassische Deathmatch mit anderen Mitspielern zusammenfinden oder einen Capture the Flag spielen, bei dem bestimmte Objekte von der feindlichen Basis zur eigenen Station gebracht werden müssen. Fehlen darf natürlich auch nicht ein Koop-Zombie-Modus. Dieser verschlägt die Spieler dieses Mal in einen verlassenen 80er Jahre Vergnügungspark, in dem es gilt sich zu verschanzen und auf alles zu schießen, was schlurft und grunzt. Als kleines Extra sind spielbare Figuren wie Pee Wee Hermann oder David „The Hoff“ Hasselhoff persönlich natürlich ein Muss!

Neu sind dagegen die Modi „Verteidiger“ und „Front“. Im „Verteidiger“ streiten zwei Mannschaften um die Vorherrschaft über eine Drohne und müssen diese so lange wie irgendwie möglich beschützen. Das Besondere hierbei ist, dass die Drohne nicht ganz wehrlos ist. Sie lässt sich abschießen, um heranstürmende Feinde aus den Socken zu hauen. Außerdem verschwindet sie nach einer gewissen Zeit und erscheint an einer anderen Stelle auf der Karte. Das verhindert, dass ein Team die Drohne „bunkert“ und die restliche Zeit einfach absitzt. Stattdessen müssen sich die Spieler beider Mannschaften immer wieder aufs Neue auf die Suche nach der Drohne machen und sie erst mit Blut, Schweiß und jede Menge Kugeln in ihren Besitz bringen.

Der „Front“-Modus ist dagegen eine einsteigerfreundliche Deathmatch-Variante. Beide Mannschaften verfügen über Home-Zones, in denen sie die doppelte Menge an Lebensenergie erhalten. Wer allerdings in der eigenen Home-Zone einen Feind erschießt, erhält dafür auch nur die Hälfte der üblichen Punkte. Auf diese Weise können auch unerfahrene „Call of Duty“-Spieler sich behutsam an das Getümmel herantasten, ohne gleich zu Kanonenfutter verarbeitet zu werden. Gleichzeitig werden sie aber auch dazu motiviert, sich nicht immer nur in der sicheren Zone zu verstecken, sondern auch mal die andere Seite des Schlachtfeldes zu erkunden, um mehr Punkte abzustauben und hinterher ihren Charakter aufzubessern.

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Denn anders als in anderen Multiplayer-Shootern setzt Infinite Warfare nicht auf unterschiedliche Charakterklassen, die sich auswählen lassen, sondern auf das sogenannte RIG-System. Dabei handelt es sich – einfach ausgedrückt – um eine Art Kampfanzug, an dem sich verschiedene Fähigkeiten und Boni aktivieren oder deaktivieren lassen. Das ermöglicht eine individuelle Anpassung des eigenen Kämpfers und lädt zum Herumprobieren und Experimentieren ein.

Die Zockerei mit anderen Spielern macht zwar ziemlich Spaß – egal für welchen Modus man sich letztendlich entscheidet – aber aufgrund des Balancings kann auch schnell Frust aufkommen. Denn nur allzu oft werden die Teams nicht durchgemischt, sondern einfach so aufgefüllt, wie die Spieler gerade joinen. Im schlimmsten Fall führt das dazu, dass in einer Mannschaft nur absolute Profis sind, während das andere Team aus reinen Anfängern zusammengewürfelt wurde.

Fazit

Es ist Call of Duty: Infinite Warfare schon anzumerken, dass die Entwickler bemüht waren, die Fehler der Vergangenheit auszubügeln und ein rundum gelungenes Spiel abzuliefern. Dieses Vorhaben funktioniert aber leider nur zu Teilen. Grafisch ist das Game einfach nur schön und bombastisch. Die Funktion der automatischen Reduktion der Grafik wäre auch ganz nett, wenn die Spieler darüber informiert werden würden oder zumindest die Wahl hätten, diese Option automatisch an oder aus zu schalten. In Sachen Atmosphäre ist Call of Duty wieder mal ein echter Kracher. Statt das ganze Budget für Hollywood-Stars wie Kevin Space (aus Black Ops 3) zu verbrauchen, wurde lieber auf etwas preisgünstigere, aber dennoch prominente Alternativen wie Kit Harington oder David Harewood (bekannt als der Marsianer Hank in der Serie „Supergirl“) gesetzt. Dass die Figuren allerdings nur sehr oberflächlich sind und keine wirklich tragenden Rollen haben, ist dann aber schade. Auch die restliche Story von Infinite Warfare ist eher platt und nicht wirklich erwähnenswert. Der Multiplayer macht dafür umso mehr Spaß in den verschiedenen Modi, auch wenn das Balancing der Mannschaften an einigen Stellen frustrierend ist.

Alles in allem ist Call of Duty: Infinite Warfare ein solides Spiel, das vieles richtig macht, aber nur wenig Überraschungen und Abwechslung bietet.

Bewertung76

Pro
Contra
Grafik
90%
  • beeindruckende Grafikeffekte
  • Immer wieder neue Schauplätze
Sound
80%
  • Sehr gute englische Synchronisation
  • Tolle Soundeffekte
  •  Die deutsche Synchronisation lässt allerdings zu Wünschen offen
Inhalte
70%
  • filmreife Zwischensequenzen
  • bombastische Momente
  • Keine herausragende Story
  • Handlungsraum eingeschränkt
Balance
60%
  • Sechs Schwierigkeitsgrade
  • gute automatische Sicherungen
  • Singleplayer fast immer gut ausbalanciert
  • Matchmaking-System im Multiplayer wenig brauchbar
  • KI teilweise sehr stumpf
  • teilweise nervige Gegner-Spawns
Steuerung
60%
  • Keine Überraschungen
  •  Maus-Steuerung teilweise unpräzise
Extras
90%
  • optionale Nebenmissionen
  • Zombie-Modus

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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