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Drown Tactile Earphones – Was können die Crowdfunding-In-Ears?

Im August 2018 startete das junge, schottische Unternehmen Drown eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo. Finanziert werden sollten Kopfhörer mit dem schlichten Namen „Tactile Earphones“, die durch eine Kombination aus klassischer Klangwiedergabe und einer Vibrationserzeugung in der Ohrmuschel eine besonders hohe Wiedergabequalität bieten sollten.

Die Finanzierung der Tactile Earphones ist auch direkt geglückt: Knapp 38.000 Euro konnte Drown einsammeln und damit die Produktion beginnen. Im Juni 2020 erhielten die Backer dann endlich ihre Kopfhörer, und mittlerweile stehen sie für einen Preis von 155 Pfund auch für alle übrigen Kunden zur Verfügung.

Wir werden uns die Neulinge im folgenden Test genau ansehen und erklären, welche neuen Ansätze Drown verfolgt, und wie gut das Endergebnis geworden ist.

Lieferumfang

Die Drown Tactile Earphones werden in einem kleinen, bunt bedruckten Pappkarton mit Magnetverschluss geliefert. In diesem befinden sich, neben den Kopfhörern selbst, die insgesamt vier unterschiedlichen Aufsatzpaare, das zwei Meter lange Anschlusskabel, das ansteckbare Mikrofon sowie ein Schutzhülle, in der das notwendigste Zubehör untergebracht werden kann.

Spezifikationen

Anschluss: USB C / 3,5 mm Klinke
Treiber (Lautsprecher): 14,8 mm, Graphen
Impedanz (Lautsprecher): 35 Ω
Frequenzbereich (Lautsprecher): 10-22.000 Hz
Frequenzbereich (Mikrofon): 100-15.000 Hz
Gewicht (Pro Hörer, mit Aufsatz): 10 g
Gewicht (Mikrofon): 4 g

Design & Verarbeitung

Die Drown Tactile Earphones wirken bereits auf den ersten Blick neuartig: Die Hörer sind sehr groß und annähernd dreieckig geformt. Der linke Hörer dient dabei zugleich als Basis für das Mikrofon: Dieses kann an der Unterseite eingesteckt werden. Nach außen hin zeigt glatter silberner Kunststoff, die Innenseite der Hörer ist hingegen schwarz und rau. Über diese Fläche werden die Silikonkappen gezogen, die in die Ohrmuschel eingesetzt werden.

Im Gegensatz zu den meisten Kopfhörern sind die Silikonkappen der Drown Tactile Earphones keine schlichten, halbrunden Einsätze, sondern an die Ohrform angepasst. Wie gut das funktioniert, werden wir erst im nächsten Abschnitt beleuchten.

Die Kopfhörer sind kabelgebunden, wobei das Kabel über eine Zugentlastung und einen anschließenden, dünnen Ohrbügel angeschlossen ist. Nach jeweils 32 cm Kabel laufen die Verbindungen in einem männlichen USB-C-Stecker zusammen – an diesem wird das Anschlusskabel angeschlossen. Dieses wiederum ist zwei Meter lang und endet in einem abgewinkelten TRRS-Stecker. Am linken Kabel befindet sich außerdem die Fernbedienung, über die man Lieder pausieren und die Lautstärke anpassen kann.

Leider ist die Verkabelung der Drown Tactile Earphones nicht perfekt gelungen, denn da zum Anschluss an die Kopfhörer eine USB-C-Buchse benötigt wird, sind alternative Anschlusskabel nur schwer zu bekommen. Zusätzlich hätten wir uns gewünscht, dass die Kabelfernbedienung etwas näher am Anschluss wäre, um sie noch etwas leichter zu erreichen.

Die Verarbeitungsqualität der Hörer ist tadellos. Ihre einzelnen Gehäusesegmente sind fest und mit sauberen Spaltmaßen verbunden, negative Auffälligkeiten gibt es nicht. Die Kabel sind sehr dünn und laut Drown mit Kevlar ummantelt. Ungeachtet der auffälligen Materialwahl können wir bestätigen, dass die leicht strukturierte Ummantelung einen sehr robusten Eindruck macht, aber trotzdem flexibel genug für alle üblichen Anwendungszwecke ist.

Tragekomfort & Transport

Die Silikonaufsätze sind eines der wichtigsten Merkmale der Drown Tactile Earphones, schließlich sollen sie für eine reflexionsfreie Tonübertragung sorgen, die Vibrationen der Musik in der Ohrmuschel spürbar machen und natürlich auch angenehm sein.

Zu diesem Zweck liefert Drown vier verschiedene Größen mit, die die verschiedenen Ohrformen abdecken sollen. Vor der Inbetriebnahme der Kopfhörer muss man sich also erst an die Zielgröße herantasten – von klein nach groß. Hat man diese gefunden, wird die Kappe einfach über den Hörer gezogen, wobei die Ausrichtung durch die Gehäuseform vorgegeben wird. Anschließend folgt das Einsetzen der Kopfhörer, das etwas Übung erfordert aber nach einigen Minuten sehr einfach von der Hand geht.

Jeder Kopfhörer wird einzeln ans Ohr gehalten. Dann wird der „Haltezapfen“ mit einer Drehbewegung nach hinten in das Ohr eingesetzt und die Kopfhörer sitzen bereits einigermaßen fest. Die finale Fixierung erfolgt dann durch den Haltebügel, der an den Ohransatz gedrückt wird. Das mag sich kompliziert anhören, erfolgt aber mit etwas Übung sehr schnell und sorgt für einen festen Halt der Kopfhörer.

Der Tragekomfort der Drown Tactile Earphones hängt natürlich noch mehr an einer passenden Ohrform als bei normalen Kopfhörern, doch die vier mitgelieferten Größen waren zumindest in unseren Tests ausreichend um ein sehr, sehr angenehmes Paar zu finden. Mit diesem spürt man die Kopfhörer selbst nach stundenlangem Tragen nicht, und sie sitzen fest genug um auch beim Sport nicht herauszufallen. Dasselbe gilt mit angeschlossenem Mikrofon: Auch hier sitzen die Kopfhörer stabil und sehr bequem.

Ein Problem der Drown Tactile Earphones ist lediglich die Größe, die den Transport etwas erschwert. Für diesen legt Drown eine Schutzhülle bei, in der die Kopfhörer, das Kabel sowie ein Set der Silikonkappen problemfrei hineinpassen. Die Hülle muss dafür aber, aufgrund der Größe der Kopfhörer, recht ausladend sein – ein Transport in der Hosentasche ist somit nicht wirklich komfortabel.

Aufnahme- und Klangqualität

Das wichtigste Element der Drown Tactile Earphones ist natürlich die Klangqualität, und hier können die Neulinge voll überzeugen. Das ganze Repertoire an vollmundigen Marketingversprechen, mit dem die Kopfhörer beworben werden, ist natürlich etwas überzogen, aber dennoch bieten sie einen sehr guten Klang.

Gerade beim Bass kommen die In-Ears erstaunlich tief, ohne dabei zu dröhnen. Und auch in den mittleren bis höheren Frequenzen gibt es keine Schwächen. Der Ton hört sich voluminös und detailreich an – alle potenziellen Kritikpunkte, die man hier haben kann, würden wir daher auf persönliche Vorlieben schieben.

Auch das beworbene „fühlen“ des Klangs können bestätigen: Tiefe Frequenzen sind etwas stärker in der Ohrmuschel und auf der Kopfhaut wahrnehmbar als üblich, wenn die Silikonaufsätze korrekt aufliegen. Als Lebensverändernd würden wir dieses Feature zwar nicht bezeichnen, doch der eine oder andere Enthusiast bekommt hier womöglich den letzten „Kick“.

Umgebungsgeräusche können durch die Kopfhörer hingegen nur bedingt herausgefiltert werden, da die Geräuschunterdrückung ausschließlich durch die Dämpfung der Silikonaufsätze erfolgt. Mit einer richtigen, aktiven Geräuschunterdrückung können die Drown Tactile Earphones somit nicht mithalten – mit allen übrigen Kopfhörern aber schon.

Auch das Mikrofon konnte uns im Test überzeugen. Aufgrund der sehr kompakten Abmessungen und der dementsprechend begrenzten Membrangröße sind natürlich keine Wunder zu erwarten, doch das Mikrofon schlägt sich erstaunlicherweise besser als so manch Konkurrenzprodukt.

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Trotz dem fehlenden Poppschutz sind die Störgeräusche im Rahmen – wer das Mikrofon nicht vor dem Mund platziert kommt sogar ganz um sie herum. Die Stimmaufnahme ist zwar nicht ganz neutral, doch dafür werden Hintergrundgeräusche nahezu vollständig ausgeblendet – für unterwegs ist das Mikrofon der Drown Tactile Earphones somit sehr gut geeignet.

Fazit

Viele Crowdfunding-Projekte sind im Sand verlaufen, und aus so manchen sind Produkte entstanden, die dann doch nicht so gut waren wie versprochen. Für die Drown Tactile Earphones [Herstellerwebsite] gilt das glücklicherweise nicht, denn dem schottischen Unternehmen hinter den In-Ears sind tatsächlich sehr, sehr gute Kopfhörer gelungen – zumindest wenn man sich rein auf den Klang bezieht.

Die Wiedergabequalität der Tactile Earphones konnte uns im Test voll überzeugen: Ein tiefer, aber nicht ausufernder Bass und eine hohe Detailvielfalt in den höheren Frequenzen. Auch das abnehmbare Mikrofon ist dem Unternehmen, für das was es ist, sehr gut gelungen.

Beim Tragekomfort können wir ebenso nichts bemängeln, wobei dieser Punkt individuell unterschiedlich ist. Wenn einem die mitgelieferten Einsätze perfekt passen, so dürften die Drown Tactile Earphones wohl konkurrenzlos bequem sein. Falls sie nur einigermaßen passen, sind sie immer noch sehr angenehm – auch nach stundenlangem Einsatz. Wir können aber natürlich nicht garantieren, dass die Einsätze wirklich für jeden Ohrtyp geeignet sind.

Bis hierhin können wir den Kopfhörern also ein „Perfekt“ attestieren, doch am Ende gibt es leider noch ein paar Kritikpunkte, die insbesondere das Kabel betreffen. Wir hätten uns einen weiblichen USB-C-Anschluss an den Kopfhörern gewünscht, sodass man das weiterführende Kabel leicht ersetzen kann. Zudem hätte die Kabelfernbedienung ruhig etwas weiter unten platziert werden dürfen. Wirklich dramatisch sind diese Punkte aber nicht – man sollte sie nur beim Kauf im Hinterkopf behalten.

Zuletzt bleibt noch der Preis, der bei 155 Pfund (~170 Euro) liegt. Das ist sehr viel Geld für Kopfhörer, und in dieser Preisklasse hätten wir gern zusätzliche Features wie eine aktive Geräuschunterdrückung gesehen. Beim Preis muss man aber natürlich auch die Situation betrachten: Es ist das erste Produkt des Unternehmens und im Massenmarkt dürften die Kopfhörer (noch) nicht angekommen sein. Dennoch: Die Tactile Earphones mögen kein Schnäppchen sein, doch es sind auf jeden Fall sehr hochwertige Alltags-In-Ears, die zudem auch problemfrei ein PC-Headset ersetzen können.

Drown Tactile Earphones

Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Aufnahmequalität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis

91/100

Sehr gute, aber auch kostspielige In-Ear-Kopfhörer.

Valentin

Durchgeknallter Vollzeitnerd

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Valentin

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