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EarFun Air Pro 2 im Test: Klein, leicht und mächtig Dampf dahinter

Guter Klang muss nicht zwangsläufig teuer sein. Dass will Hersteller EarFun mit seinen neuen In-Ear-Kopfhörern Air Pro 2 beweisen. Dass die Konkurrenten der Apple AirPods Pro trotz geringer Größe und niedrigem Gewicht einiges auf dem Kasten haben und warum es doch nicht ganz für die Oberklasse reicht, erklärt unser Test.

Technische Daten

Bluetooth-Version 5.2
Maximaler Betriebsbereich 15m (ohne Hindernis)
Akkulaufzeit Bis zu 7 Std., insgesamt 34 Std. mit Ladeetui; (variiert je nach Lautstärkepegel und Audioinhalt)
Ladezeit 1 Std. (für Kopfhörer via USB-C); 2 Std. (für Ladeetui + Kopfhörer via USB-C)
Größe Ladeetui (B x H x T) 65 mm x 50 mm x 31,8 mm
Gewicht  5,2g pro Earbud; 42,0g Ladeetui & Ohrhörer
Wichtigste Funktionen ANC; Transparenzmodus; Wireless-Charging; Einzelnutzung
Preis € 59,49*

Lieferumfang

Bereits die sehr kleine Verpackung mit einer Größe von 9,0 x 11,0 x 4,4 cm (L x H x T) lässt darauf schließen, dass wir es bei den EarFun Air Pro 2 mit äußerst kleinen In-Ear-Kopfhörern zu tun bekommen. Bereits der Karton hinterlässt einen positiven Eindruck und überzeugt durch ein edel anmutendes, weiß-graues Design, das die wichtigsten Eigenschaften in gelber Schrift optisch abhebt.

Beim Öffnen bestätigt sich der minimalistische Ansatz dann. Entnimmt man den Deckel, eröffnet sich direkt der Blick auf das Ladeetui, das die beiden In-Ear-Kopfhörer beherbergt. Darunter befindet sich überraschenderweise Nichts.

Allerdings steckt trotzdem noch mehr in der Verpackung, denn den restlichen Lieferumfang hat Hersteller EarFun clever im Pappschuber verstaut, der das Ladecase beherbergt. Neben der obligatorischen Anleitung und dem USB-A-auf-USB-C-Kabel zum Laden befinden sich ganze zwei Tüten mit zusätzlichen Ear Tips im Karton, die schlicht mit A und B bezeichnet sind.

Jeweils drei Paare davon in unterschiedlichen Größen legt der Hersteller bei. Bei genauerer Prüfung stellen wir fest, dass es sich bei Variante A um etwas härtere Silikon-Aufsätze handelt, während Modell B deutlich weicher ausfällt und daher nicht ganz so gut abdichtet. Für den aufgerufenen Preis von unter 70 Euro fällt der Lieferumfang überraschend groß aus, das gefällt.

Design und Verarbeitung

Beim Öffnen des Ladeetuis werden wir direkt von den glänzenden schwarzen In-Ears begrüßt, die eine klassische Form samt langem Bügel aufweisen, wie wir sie mittlerweile beim Großteil aller Earbuds vorfinden. Besagten Bügel ziert ein hellgrauer Schriftzug mit dem Herstellerlogo, während die Silikon-Aufsätze in halb-transparentem Grau vorliegen.

Mit einem roten Gummiring finden die Aufsätze an den Kopfhörern selbst Platz, was durch die transparente Optik für einen recht auffälligen und schicken Look sorgt. Die abgeflachte Außenseite der insgesamt rund 37 mm langen EarFun Air Pro 2 erinnert ein wenig an die Skullcandy Indy ANC.

Oben an der Außenseite geben sich die Mikrofone zu erkennen, die die Außengeräusche aufzeichnen und mittels aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) ausblenden sollen. Auf der Innenseite sticht vor allem der Magnetverschluss ins Auge, dank dem die In-Ears sicher im Ladeeuti Halt finden.

Das Design mutet durchaus edel an, gerade im Hinblick auf den niedrigen Preis. Selbiges gilt auch für das ebenfalls schwarz-glänzende Ladecase, das mit seinen Abmessungen von 65 mm x 50 mm x 31,8 mm (L x H x T) ebenfalls zu den kompakteren Vertretern gehört. An dessen Außenseite findet sich lediglich eine einzige LED-Anzeige, die über Pairing-Modus und Ladestand informiert. Innen nimmt ein weiterer Knopf Platz, mit dem sich das Pairing manuell starten lässt.

Ganz allgemein geben sich die EarFun Air Pro 2 hinsichtlich der Verarbeitungsqualität ebenfalls keine Blöße, fühlen sich wertig an. Lediglich die relativ hohe Anfälligkeit für Fingerabdrücke (sowohl auf Ladecase wie auch auf den Earbuds) trübt den ansonsten hervorragenden Eindruck.

Tragekomfort

Auch hinsichtlich des Tragekomforts lassen sich die Air Pro 2 nicht lumpen. So nehmen die ovalen Silikon-Aufsätze angenehm im Ohr Platz und dichten dabei, vorausgesetzt wir wählen die ideale Größe, hervorragend ab. Auch im Dauereinsatz ruhen die In-Ears bequem in den Ohren, den Komfort der AirPods Pro erreichen sie allerdings nicht ganz, da sich hier nach gewisser Zeit ein leichtes, aber spürbares Druckgefühl einstellt.

Neben der gelungenen, ergonomischen Form sorgt das niedrige Gewicht von nur rund 5 Gramm pro Earbuds für zusätzlichen Komfort. Federn lassen die leichten Kopfhörer allerdings hinsichtlich des Halts, denn gerade beim Sport oder bei schnellen Bewegungen verrutschen sie dann doch spürbar und müssen händisch nachjustiert werden.

Ausstattung und Akkulaufzeit

Nehmen wir die Ohrhörer aus dem Ladecase, werden sie direkt in den Pairing-Modus versetzt und von unserem Smartphone sofort erkannt. Dabei funken die Air Pro 2 im modernen Bluetooth 5.2-Band, was für eine stabile Verbindung und hohe Reichweite sorgt. Rund 15 Meter konnten wir uns im Rahmen des Tests vom Zuspieler entfernen, ohne dass die Verbindung abbrach. Durch dicke Wände hindurch sind rund 10-11 Meter möglich. Dank IPX5-Zertifizierung lassen sich die In-Ear-Kopfhörer auch bei regnerischem Wetter verwenden und sind beim Sport gegen Schweiß geschützt.

Praktisch ist zudem, dass sich beide Ohrhörer auch einzeln im Mono-Betrieb verwenden lassen. Multipoint, also die gleichzeitige Verbindung mit zwei Audio-Quellen, wird hingegen nicht geboten – hätten wir in dieser Preisklasse allerdings auch nicht erwartet. Nimmt man einen der beiden Ohrhörer hinaus, wird die Musikwiedergabe automatisch pausiert und wieder fortgesetzt, wenn der zweite Earbud wieder im Ohr Platz nimmt. Allerdings erfolgt die Trageerkennung für unseren Geschmack etwas zu träge, das bekommen die meisten Konkurrenten deutlich besser hin.

Entnimmt man die EarFun Air Pro 2 aus dem Ladecase, verbinden sie sich schnell und fehlerfrei mit der zuletzt genutzten Quelle. Wollen wir sie an einem anderen Gerät nutzen, müssen sie allerdings erst wieder entkoppelt und mithilfe des Pairing-Buttons im Ladeetui erneut verbunden werden – das ist etwas umständlich, aber akzeptabel.

Stichwort Ladeetui: Insgesamt halten die Earbuds in Kombination mit dem Case rund 34 Stunden lang durch. Dieser Wert setzt sich auf 6 Stunden Musikwiedergabe mit ANC (7 Stunden ohne aktive Geräuschunterdrückung) und 27 Stunden Laufzeit im Ladecase zusammen. Alles in allem eine gute, aber nicht überragende Akkulaufzeit, mit der sich die Air Pro 2 im oberen Drittel positionieren.

Ganz oben spielen die EarFuns allerdings hinsichtlich der Lademöglichkeiten mit, denn neben der Verwendung des beiliegenden USB-Kabels kann das Ladecase sogar kabellos geladen werden. Auch Schnellladen wird unterstützt, womit die Earbuds in nur 10 Minuten weitere zwei Stunden Musik wiedergeben können. Das Ladecase ist in insgesamt zwei Stunden zu 100 Prozent vollgeladen, die darin befindlichen Ohrhörer sogar in nur einer Stunde – hervorragend.

Bedienung

Wie mittlerweile üblich, werden die Air Pro 2 durch Touch-Befehle gesteuert. Über die Flächen an den Außenseiten der In-Ears erfolgt die Bedienung zuverlässig und schnell. Zumindest, wenn man die mannigfaltigen Möglichkeiten erst einmal verinnerlicht hat. Denn ein-, zwei- und dreifachem Tippen sowie Gedrückthalten der Touch-Fläche lösen unterschiedliche Befehle aus und das für beide Seiten getrennt voneinander.

Doppeltes Tippen startet oder pausiert die Wiedergabe, dreifaches Berühren wechselt zum vorherigen oder nächsten Song, während einmaliges Antippen die Lautstärke erhöht (rechts) beziehungsweise verringert (links). Hält man die Touch-Flächen zwei Sekunden lang gedrückt, wechseln die In-Ears zwischen ANC, Transparenzmodus und normalem Modus beziehungsweise rufen auf der linken Seite mit demselben Befehl den jeweiligen Sprachassistenten auf.

Hat man die verschiedenen Befehle erst einmal verinnerlicht, klappt die Touch-Bedienung hervorragend und präzise. Eine leichte Verzögerung nach den Eingaben ist allerdings jederzeit zu bemerken, weshalb es nicht selten zu Falscheingaben kommt.

EarFun Air Pro 2

Abschließend sei noch erwähnt, dass Hersteller EarFun keine Begleit-App zur Steuerung seiner In-Ear-Kopfhörer anbietet. Dementsprechend werden weder Firmware-Updates, noch softwareseitige Equalizer-Einstellungen oder ANC-Abstufungen angeboten, was etwas schade ist.

Audio-Qualität, ANC und Mikrofon

Die Audio-Qualität der EarFun Air Pro 2 kann insgesamt als gut bezeichnet werden. Jeder Ohrhörer ist mit einem 10 mm großen Titan-Treiber ausgestattet, die laut Angabe des Herstellers einen Frequenzbereich bis 40 kHz abbilden.

Der Fokus liegt jedoch ganz klar auf den Bässen, denen es im Detail dann aber wiederum etwas an Präzision und Volumen mangelt. Auffällig ist zudem, dass die Mitten deutlich in den Hintergrund treten und dabei gerade auffällige Stimmen wie die von Billie Eilish oder George Ezra nicht in ihrem vollen Dynamikumfang abgebildet werden. Deutlich besser sieht es jedoch bei den Höhen aus, die die Air Pro 2 sehr klar und transparent rüberbringen.

EarFun Air Pro 2

Zwar lässt sich das Klangbild mithilfe eines Equalizers ausgleichen, mit doppelt so teuren In-Ear-Kopfhörern kann das günstige Modell allerdings nicht ganz mithalten. Hier ist allerdings anzumerken, dass sich letztlich ein deutlich stimmigeres Klangbild abzeichnet, als es beispielsweise bei den angesprochenen Skullcandy der Fall ist. Vor allem E-Gitarren und helle Instrumente, wie auch Streicher, werden sehr gut wiedergegeben. Ein komplexes Klangbild, wie beispielsweise im Song „Shogun“ von Trivium, bilden die die Air Pro 2 überraschend und in allen Facetten stark ab. Hinsichtlich der Sound-Codecs werden übrigens nur AAC und SBC unterstützt. Hochauflösende aptX-Varianten sucht man leider vergebens.

ANC-Funktion und Transparenzmodus

Aktivieren wir die aktive Geräuschunterdrückung, ändert sich das Klangbild noch einmal. Die Bässe weisen eine erhöhte Präsenz und mehr Druck auf. Die Mitten werden voluminöser dargestellt, was letztlich in einem wärmeren und runderen Klang resultiert.

Die Geräuschunterdrückung selbst rangiert auf sehr gutem Niveau, kann allerdings nicht ganz mit der der Bose QuietComfort Earbuds (unser Test) oder den Apple AirPods Pro mithalten. Vor allem bei mittleren und hohen Frequenzen kommt das ANC schnell an seine Grenzen: Besonders Stimmen kommen weiterhin fast unverändert hindurch.

Ausgesprochen gut hat mir allerdings der Transparenzmodus gefallen, der Hintergrundgeräusche – allem voran Stimmen – verstärkt und diese äußerst klar im Detail herausstellt. Statt, wie es normalerweise oft bei In-Ear-Kopfhörern der Fall ist, den Klang zu verzerren, bleibt dieser nahezu natürlich weiterbestehen. In leises Grundrauschen ist dabei allerdings, genau wie im ANC-Betrieb hörbar. Dies macht sich allerdings nur in wirklich leisen Umgebungen bemerkbar.

Mikrofonqualität

Bleibt abschließend noch der Test des verbauten Mikrofons. Diese befinden sich an der Unterseite der Earbuds und werden entsprechend automatisch zum Mund hin ausgerichtet. Was in der Theorie einen Vorteil darstellt, kann im Falle der Air Pro 2 allerdings nicht überzeugen.

Die eigene Stimme wird sehr dumpf und mit starkem Hall abgebildet, worunter natürlich die Verständlichkeit leidet. Ein minimales Echo ist stets hörbar, während auch Hintergrundgeräusche nicht effektiv herausgefiltert werden. Insgesamt liegt die Mikrofonqualität lediglich auf mittelmäßigem Niveau. Wie das klingt, vedeutlicht die folgende Audio-Aufnahme:

Fazit

Aufgrund des äußerst niedrig angesetzten Preises stand ich den EarFun Air Pro 2 recht skeptisch gegenüber. Am Ende des Tests entpuppen sich die leichten In-Ear-Kopfhörer aber als positive Überraschung. Design und Verarbeitungsqualität bieten kaum Anlass zur Kritik. Dabei gefällt mir vor allem das enorm niedrige Gewicht in Kombination mit der kompakten Größe, sowohl von den In-Ears selbst als auch vom Ladeetui. Vor allem kann sich auch die Feature-Liste wirklich sehen lassen: ANC, Transparenzmodus und Wireless-Charging sind in diesem Preissegment alles andere als Standard.

Auch die Touch-Bedienung klappt nach etwas Eingewöhnung sehr gut, fällt allerdings im direkten Vergleich mit der Konkurrenz etwas träge aus. Positiv überrascht hat mich zudem das Klangbild, wenngleich es nicht ohne Schwächen daherkommt. Allerdings habe ich schon deutlich schlechter klingende In-Ears mit einem deutlich höher angesetzten Preisschild getestet – hier positionieren sich die Air Pro 2 im oberen Mittelfeld.

Abstriche müssen allerdings hinsichtlich der ANC-Funktion und der verbauten Mikrofone in Kauf genommen werden, die beide nicht vollends überzeugen können. Schade zudem, dass es noch immer keine Begleit-App gibt, hier muss EarFun langsam, aber sicher, mal nachbessern. Alles in allem wird dem Käufer bei den EarFun Air Pro 2 tatsächlich sehr viel für wenig Geld geboten. Wer einen schmalen Geldbeutel hat und trotzdem aktuelle und gut klingende In-Ear-Kopfhörer sucht, kann zugreifen.

EarFun Air Pro 2

Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Aufnahmequalität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis

86/100

Bequeme und leichte In-Ear-Kopfhörer mit überraschend gutem Klang zu einem wirklich günstigen Preis. ANC und Mikrofon sind allerdings nur Mittelmaß.

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Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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