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Huawei FreeClip Test: Freiheit für die Ohren

Dass Huawei hervorragende In-Ear-Kopfhörer bauen kann, hat der chinesische Hersteller bereits des Öfteren unter Beweis gestellt. Zuletzt beispielsweise in Form der FreeBuds Pro 3 (unser Test), die klanglich und hinsichtlich der Funktionen ganz weit vorne mitspielen. Nun gibt es eine waschechte Revolution aus Fernost, denn mit den neuen FreeClip wandelt man auf den Spuren der Knochenschallkopfhörer von Shokz. Ein wenig zumindest. Wie gut das Open-Ear-Design funktioniert und was die Ohrhörer auf dem Kasten haben, klärt unser Huawei FreeClip Test.

Technische Daten

Produkt Huawei FreeClip
Bluetooth-Version 5.3
Bluetooth-Codecs SBC, AAC, L2HC und LC3
Maximaler Betriebsbereich 12m (ohne Hindernis)
Akkulaufzeit Bis zu 8 Std., insgesamt 36 Std. mit Ladeetui; (variiert je nach Lautstärkepegel und Audioinhalt)
Ladezeit 1,5 Std. (für Ladeetui via USB-C)
Größe Ladeetui (H x B x T) 59,77 mm × 51,95 mm × 27,35 mm
Gewicht  5,6 g pro Earbud; 56 g Ladeetui & Ohrhörer
Wichtigste Funktionen Trageerkennung; Multipoint; IP54; Smart Wear Detection
Preis € 179,00 *

Huawei FreeClip Test: Design und Verarbeitung

  • Einzigartiges, edles Design
  • Hochwertige Verarbeitung

Im kompakten, weiß gehaltenen Karton der Huawei FreeClip finden wir das silberfarbene, eloxierte Ladecase, das ein wenig an die FreeBuds Pro 3 erinnert, jedoch deutlich kompakter ausfällt. Es verfügt über einen USB-C-Anschluss an der Unterseite, sowie einen Bluetooth-Pairing-Button an der rechten Seite.

Wirklich interessant wird es allerdings nach dem Öffnen des Ladeeutis, denn dann kommen die innovativen Ohrhörer zum Vorschein. Anders als bei normalen In-Ear-Kopfhörern oder Earbuds, setzen sich die Huawei FreeClip aus drei Kernbestandteilen zusammen:

Da wäre einerseits die sogenannte Comfort Bean, die hinsichtlich ihrer Formgebung tatsächlich an eine Bohne erinnert. Sie ist dem menschlichen Ohr nachempfunden und nimmt hinter dem Ohr Platz.

Auf der anderen Seite hingegen ruht der sogenannte Acoustic Ball, der wiederum dem Trichter des menschlichen Gehörgangs nachempfunden ist und darin positioniert wird. Verbunden werden die beiden Komponenten über die sogenannte C-Bridge – eine dünne Kabelführung, die zudem über einen adaptiven Sensor verfügt, der kontinuierlich den Anpressdruck anpassen können soll.

Das Ganze ist in einem schicken, schwarzen Gehäuse verpackt und hinterlässt optisch einen hervorragenden Eindruck. Die Ohrhörer selbst kommen auf ein Gewicht von jeweils 5,6 Gramm und sind erstaunlich kompakt gehalten.

Huawei FreeClip

Der gesamte Verbund ist rund 26 mm breit und 35 mm hoch. Dank der dehnbaren C-Bridge fällt die gesamte Konstruktion erstaunlich flexibel aus und soll sich so ideal dem Ohr anschmiegen können. Denn wirken die Huawei FreeClip sehr robust und hochwertig.

Die Comfort Bean wartet an der Unterseite mit magnetischen Kontakten auf, dank denen sie im Ladecase gehalten wird. Auf der anderen Seite ist bei dem Acoustic Ball die Treibereinheit zu erkennen, die direkt in das Ohr ragt.

Tragekomfort der Huawei FreeClip

  • Extrem bequem
  • Leichte Bauweise, sehr angenehmes Tragegefühl

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den Huawei FreeClip um sogenannte kabellose Open-Ear-Earbuds. Das bedeutet, dass es sich im Prinzip um klassische True-Wireless-Earbuds handelt, bei denen allerdings – und das ist die Besonderheit – der Gehörgang frei bleibt.

Das erinnert ein wenig an Knochenschallkopfhörer wie beispielsweise die OpenRun Pro von Shokz (unser Test), die Technologie von Huawei ist allerdings eine andere. Denn statt den Klang per Knochenschall zu übertragen, setzen die FreeClip auf herkömmliche Treiber.

So viel zunächst dazu. Das Einsetzen der Ohrhörer benötigt zunächst etwas Eingewöhnung. Die C-Bridge wird dabei über das Ohr gezogen. Die Comfort Bean ruht dabei hinter dem Ohr, während der Acoustic Ball im Ohr, aber vor dem Gehörgang sitzt. Durch das Brücken-Design kann der Gesamtverbund ziemlich frei verschoben und positioniert werden.

Die bestmögliche Platzierung dürfte dabei ziemlich individuell ausfallen. Ich persönlich empfand Sitz und Klang am besten, wenn ich die Comfort Bean fast vollständig nach unten in Richtung Ohrläppchen bewege.

Huawei FreeClip
Der Tragekomfort ist, nach kurzer Eingewöhnung, exzellent.

Unabhängig von der richtigen Position kann ich den Huawei FreeClip allerdings einen herausragenden Tragekomfort attestieren. Das Design wirkt derart gut durchdacht, dass du die Ohrhörer schon nach wenigen Minuten gar nicht mehr spürst. Sie schmiegen sich so natürlich an das Ohr an, ohne dabei zu drücken.

Dennoch sitzen die Earbuds erstaunlich fest und wackeln selbst bei schnellen Bewegungen kein Bisschen. Eine weitere positive Überraschung des Tests. Ich hätte gedacht, dass sie sich aufgrund des flexiblen Bügels nur bedingt für sportliche Aktivitäten eignen, allerdings sitzen sie fester als so mancher In-Ear-Kopfhörer, den ich bereits ausprobieren konnte.

Ausstattung

  • Modernes Bluetooth 5.3
  • Multipoint
  • Smarte Trageerkennung

Die Huawei FreeClip setzen auf den modernen Bluetooth 5.3-Standard und erreichen damit eine Reichweite von rund 12 Metern zur Audioquelle. Zudem sind die Ohrhörer nach IP54 zertifiziert und somit gegen Spritzwasser geschützt.

Eine weitere Besonderheit stellt die sogenannte Smart Wear Detection-Technologie dar, denn – salopp gesagt – ist es vollkommen egal, welchen FreeClip du in welches Ohr steckst. Die Earbuds erkennen automatisch die Seite und passen sich klanglich daran an.

Geboten wird darüber hinaus ein Mono-Modus, dank dem auch mit nur einem eingesetzten FreeClip dem Musikgenuss nichts im Weg steht. Unterstützt werden zudem die Codecs L2HC, LC3, AAC, SBC, womit auch hochauflösende Klänge ins Ohr gelangen sollen.

Auch eine Mehrfachverbindung mit zwei Geräten wird unterstützt. Auf eine aktive Geräuschunterdrückung verzichtet der Hersteller allerdings. Was jedoch aufgrund des Open-Ear-Designs wenig verwunderlich ist.

Bedienung der Huawei FreeClip

  • Präzise Touch-Bedienung
  • Nur wenige Aktionen direkt am Ohrhörer

Bedient werden die Huawei FreeClip per Touchsteuerung an der C-Bridge. Dabei unterteilt sich die Bedienung auf zweimaliges und dreimaliges Antippen, das abhängig von der Seite verschiedene Aktionen auslöst. Diese können zudem zumindest teilweise in der Huawei AI Life-Begleit-App angepasst werden.

Zweimaliges Antippen ermöglicht in den Standard-Einstellungen die Wiedergabe oder Pause, während du durch dreimaliges Antippen zum nächsten oder vorangegangenen Titel springen kannst. Das doppelte Antippen lässt dich zudem einen Anruf annehmen oder ablehnen.

Huawei FreeClip
Die flexible C-Bridge dient auch der Touch-Steuerung, die präzise arbeitet.

Auf Wunsch lässt sich durch zweimaliges Antippen auch der Sprachassistent aktivieren, eine Anpassung der Lautstärke ist hingegen leider nicht möglich. Ansonsten klappt die Bedienung tadellos und sehr präzise. Eingaben werden gut erkannt und schnell umgesetzt.

Akkulaufzeit der Huawei FreeClip

  • Hervorragende Akkulaufzeit von 8 Stunden
  • Laden per USB-C

Die Huawei FreeClip sind mit einem 55 mAh starken Akku ausgestattet, das Ladecase kommt auf eine Batteriegröße von 510 mAh. Damit erreichen die Ohrhörer eine hervorragende Laufzeit von bis zu 8 Stunden Musikwiedergabe für die reinen Earbuds und ganzen 36 Stunden in Verbindung mit dem Ladeetui. Bei verringerter Lautstärke lässt sich zudem nochmal eine Stunde mehr an Laufzeit herausholen.

Hervorragende Werte, die natürlich vom Fehlen einer aktiven Geräuschunterdrückung profitieren. In rund anderthalb Stunden sind die Ohrhörer im Case wieder vollgeladen. Zehn Minuten reichen aus, um die FreeClip wieder für drei Stunden Musikwiedergabe fit zu machen.

Audioqualität und Mikrofone

  • Überzeugender, detailreicher Klang
  • Klare Mitten und Höhen
  • Bauartbedingt kein allzu satter Bass

Open-Ear-Kopfhörer haben eigentlich immer ein Problem. Dadurch, dass der Gehörgang frei bleibt, erreichen diese nie den vollen Klang entsprechender In-Ear-Pendants, da ein Teil der Geräusche nach außen dringt und nicht im Ohr gelandet, um gehört werden zu können.

Erfreulicherweise ist das bei den Huawei FreeClip anders, die mich im Klangtest äußerst positiv überrascht haben. Doch zunächst einmal die Technik: Unter der Haube befinden sich 10,8 mm große Dual-Treiber, die ein Frequenzband von 20 Hz bis 20.000 Hz abdecken.

Klanglich kommen die FreeClip überraschend sauber und detailreich daher und punkten mit klaren Höhen und detaillierten Mitten. Selbst die Basswiedergabe ist beachtlich, wobei hier bedingt durch die Bauform natürlich nicht der Wumms erreicht wird, den In-Ears realisieren.

Dennoch empfinde ich die Akustik als sehr überzeugend und detailreich. Durch die offene Form ergibt sich nach oben hin natürlich eine gewisse Luftigkeit, die Songs eine breite Bühne einräumt. Fakt ist: Musikhören mit den Open-Ear-Headphone macht Laune.

Mikrofonqualität

  • Gute Verständlichkeit
  • Sehr gute Umgebungsgeräusch-Unterdrückung
  • Ordentliche Mikrofone

Der Hersteller verspricht für die Huawei FreeClip „kristallklare Anrufe“, was ich allerdings nicht vollends bestätigen kann. Überraschend gut funktioniert dabei die Geräuschunterdrückung, die laute Umgebungsgeräusche und Wind hervorragend herausfiltert.

Auch unsere Gegenüber sind schön klar und deutlich zu verstehen. Die eigene Stimme wird dabei aber ein wenig zu stark durch die AI-Funktionen beeinflusst und etwas rauschig wiedergegeben.

Das sorgt zwar immer noch für eine gute Stimmverständlichkeit, andere Konkurrenten bieten hier aber mitunter deutlich bessere Mikrofone – vor allem in dieser Preisklasse. Dennoch: Für den einen oder anderen Anruf unterwegs reicht die gebotene Qualität natürlich vollkommen aus.

Mikrofon-Testaufnahme der Huawei FreeClip:

Mikrofon-Testaufnahme Marshall Motif II ANC: 

Mikrofon-Testaufnahme Huawei FreeBuds Pro 3: 

App-Anbindung: Huawei AI Life

Als Begleit-App kommt Huawei AI Life zum Einsatz, die mit einem aufgeräumten Interface punktet und nach dem ersten Start bereits ein Firmware-Update für uns bereit hält. Die Hauptseite informiert beispielsweise über den Akkustand und lässt uns nahtlos zwischen zwei verbundenen Geräten wechseln.

Außerdem können wir über den Punkt „Soundeffekte“ zwischen vier Klang-Voreinstellungen wechseln und beispielsweise die Höhen oder Stimmen verstärken. Uns gefällt allerdings die Standard-Einstellung klanglich am besten. Eine Möglichkeit, eigene Equalizer-Presets zu erstellen, wird leider nicht geboten.

Im Bereich „Gesten“ können wir die Touchsteuerung anpassen, unter „Gerät finden“ einen Ton abspielen, um die FreeClip aufzuspüren, sollten wir sie mal verlegt haben. In den Einstellungen können wir dann zusätzlich die Tragerkennung deaktivieren, die niedrige Audiolatenz hinzuschalten oder die maximale Lautstärke zusätzlich erhöhen, was dem Klangbild allerdings ein wenig Details raubt und den Sound etwas kratziger darstellt.

Huawei FreeClip Test: Fazit

Mit den Huawei FreeClip legt der Hersteller tatsächlich innovative und äußerst schicke Ohrhörer auf, die nicht nur mit einem frischen Design punkten, sondern auch hinsichtlich des Tragekomforts brillieren.

Dabei bietet das Auftreten samt bequemer C-Bridge den Vorteil, dass der Gehörgang frei bleibt – was vor allem Brillenträgerinnen und Brillenträgern zusätzlichen Komfort bietet. So bequem sogar, dass man die FreeClip schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr spürt.

Doch auch klanglich spielen die Ohrhörer überraschend stark auf, können hier nicht ganz mit den besten In-Ear-Kopfhörern mithalten, überragen aber andere Open-Ear-Kopfhörer hinsichtlich des Detailgrades und der Soundqualität deutlich.

Das macht die Huawei FreeClip zu empfehlenswerten Kopfhörern für unterwegs und für den Sport, die sich keine nennenswerten Schwächen leisten. Wenn du auf eine aktive Geräuschunterdrückung verzichten kannst und nicht die bestmögliche Mikrofon- und Klangqualität brauchst, sind die FreeClip definitiv einen Blick wert.

Huawei FreeClip Test: Silver Award

Huawei FreeClip

Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Aufnahmequalität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis

89/100

Innovative und edle Open-Ear-Ohrhörer mit exzellentem Tragekomfort und erstaunlich detailreichem, satten Klang, die sich für Zuhause und unterwegs gleichermaßen gut eignen.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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