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Surface Headphones im Test: Können sie mit Bose und Sony mithalten?

Mit dem kürzlichen Hardware-Event hat das Unternehmen Microsoft nun offiziell den Kopfhörer-Markt betreten. Noch vor einem Jahr hätte wohl kaum jemand ein Sound-Device mit dem Namen Microsoft in Verbindung gebracht. Mit den Surface Headphones betreten die Redmonder einen hart umkämpfen ANC-Bereich, den sonst nur Firmen wie Sony, Bose oder Sennheiser erobern. Können die Surface Headphones mit ihrem innovativen Design da mithalten? Ihr erfahrt es im Testbericht!

Innovatives Design trifft Betongrau

Hinter der grauen Fassade steckt einiges an Technik, nichtsdestotrotz: Das Grau muss man mögen. Viel Abwechslung gibt es nicht und bisher wurden auch noch keine weiteren Farbvariation angekündigt. Wer ein bisschen auf Details achtet, wird allerdings feststellen, dass die Farbe allein kein Statement setzt. Zum einen heben sich die Headphones durch den Knick im Bügel von der breiten Masse ab und wirken so weniger protzig. Sie schmiegen sich quasi an den Kopf des Trägers. Bügel und Ohrmuscheln sind schön gepolstert, wobei man das 290 Gramm schwere Device nach längerem Tragen schon spürt. Die Größeneinstellung der Ohrhörer gefällt mir vor allem wegen dem Einrastsound – der Nutzer kann immer genau abschätzen, wie groß er den Bügel eingestellt hat. Außerdem geht diese Bewegung ganz leicht. Die Ohrmuscheln fallen nicht nur wegen ihrer weichen Polsterung auf, sondern auch wegen ihrem innovativen Design.

Intuitive Bedienung überzeugt

Denn das markante Design wird vor allem auch durch die einzigartige Bedienung der Kopfhörer unterstrichen. Jede Ohrmuschel verfügt über ein großes Touchpanel, das noch einmal durch ein kaum auffälliges Drehrad umrandet ist. Per Tippgesten steuert man so die Musik und weitere Funktionen. Tippt man einmal, bedeutet das Play oder Pause. Durch zweimaliges Tippen gelangt man zum nächsten Lied und mit drei Tippern springt man zurück. Mit ganz ähnlichen Kombinationen, tätigt man Anrufe und aktiviert den Sprachassistenten. Die Bedienung klappt wunderbar: Das Tippen wird in den meisten Fällen schnell erkannt. Acht von zehn Malen klappt alles zuverlässig und so wie es soll. Teilweise braucht das Gerät aber ein paar Sekunden, um auf die Tippgesten zu reagieren. Übrigens funktionieren die Touchgesten nicht, wenn die Kopfhörer per Klinkenkabel mit einem Gerät verbunden sind.

Die Surface Headphones werden mit einer automatischen Pause- und Wiedergabefunktion noch ein bisschen smarter. Das passiert immer dann, wenn man die Kopfhörer ab- oder wieder aufsetzt. Dafür wurden Sensoren in den Ohrmuscheln verbaut und bei einem Anruf schaltet sich das Mikrofon beim Herunternehmen der Kopfhörer automatisch stumm. Auch dieses Feature funktioniert in den meisten Fällen zuverlässig – ist aber nichts im Vergleich zu den Sennheiser Momentum Wireless 3.

Die drehbaren Ringe um die Ohrmuscheln haben ebenfalls einzigartige Funktionen. An der rechten Ohrmuschel steuert man die Lautstärke, die Linke ist für das Noise Cancelling. Dieses Bedienelement machen die Surface Headphones erst zu dem, was sie sind: Natürlich und innovativ bedienbare Kopfhörer. Ganz ohne Knöpfe kommen die Surface Headphones aber nicht aus. An der rechten Ohrmuschel befindet sich der An- und Ausschalter, eine Mikrofonstummschalttaste, ein USB-C- und 3,5-mm-Klinkenstecker-Anschluss. Das super schnelle Pairing per Bluetooth aktiviert man über ein längeres Drücken auf den Power-Button. Übrigens lassen sich gleich zwei Geräte gleichzeitig mit den Kopfhörern verbinden.


ANC-Funktion hinter Bose und Sony

Sowohl die Lautstärke als auch das Noice Canceling lassen sich stufenweise einstellen, sodass die Geräuschunterdrückung nicht nur an- und ausgeschaltet werden kann, sondern sich in 13 Stufen anpassen lässt. Das funktioniert gut und man hört den Unterschied merklich. Die Surface Headphones haben eine gute, aber nicht sehr gute Geräuschunterdrückung: Sie filtern hohe Frequenzen nicht ganz solide heraus, doch mit Windgeräuschen können sie gut umgehen. Auf mich persönlich hat die Funktion einen sauberen Eindruck gemacht, doch Kopfhörer von Bose oder Sony sind den Surface Headphones voraus.

Warmer Klang, aber kein aptX

Die Klangqualität der Surface Headphones war überraschend gut, auch ohne fortschrittliche Bluetooth-Audio-Codecs. Denn, das muss man wissen: Die Surface Headphones haben kein aptX oder AAC und sie unterstützen Bluetooth 4.2 statt der neuesten fünfer Version. Das hat mich stark verwundert und ist ein absoluter Minuspunkt, wenn man hochwertige Kopfhörer auf den Markt bringen will. Für den Test wurden die Surface Headphones im Soundlabor gemessen. Wie man auf den Kurven der Messversuche gut erkennen kann, sieht ein schöner Frequenzverlauf anders aus. Im vorderen Teil wird der Bass gemessen, danach kommen die Mitten und zum Schluss sind die Höhen erkennbar. Die tiefen Töne werden im Vergleich zu anderen Kopfhörern weniger kräftig und druckvoll wiedergegeben. Die oberen mitten klingen etwas dumpf. In den Höhen sind einige Peaks erkennbar, welche zu einer eher scharfen Wahrnehmung von bestimmten Tönen führen können. Subjektiv gesehen, ist der Klang warm und abgerundet und hört sich sehr räumlich an. Die Surface Headphones eignen sich also vor allem für basslastige Lieder und nicht für Songs mit viel Gesang.

Cortana oder Google?

Obwohl die Surface Headphones schon eine Weile auf dem Markt sind, findet man noch keine Cortana App im Google Play Store. Seit der frühsten Version hat sich dennoch viel getan bei der englischsprachigen APK, die man sich bei bevorzugter Cortananutzung zwangsläufig herunterladen muss. Ist die Anwendung installiert, kann man mit dem „Hey Cortana“-Befehl die Sprachassistentin aktivieren. Für Leute, die mit Microsofts Kalender, Outlook und sonstigen Diensten hantieren, ist die Cortana-Unterstützung bestimmt sinnvoll. Mittlerweile kann sie Befehle auch gut verarbeiten und ihre Ansagen klingt nicht mehr ganz so roboterhaft.

Es geht aber auch anders, denn wenn man lange auf ein Touchpanel tippt, wird der Standardassistent des Handys aktiviert. Das ist bei mir der Google Assistant und auch mit ihm funktioniert alles so wie es soll: Ich kann meine Termine abfragen, Wecker einstellen und mich nach dem Wetter erkundigen. Damit mich beide Sprachassistenten und generell auch Anrufer gut verstehen, hat Microsoft bei den Surface Headphones insgesamt acht Mikrofone verbaut. Meine Gesprächspartner haben mich immer wunderbar verstanden, sowohl in der ruhigen Wohnung als auch neben einer lauten Straße. Nur auf Bahnhöfen kommen die Kopfhörer nicht gut mit den hohen Frequenzen quietschender Züge zurecht.

Akkulaufzeit, ohje…

Die Surface Headphones werden vom Hersteller mit 15 Stunden Akkulaufzeit angegeben, doch können sie ihr Versprechen kaum halten. Sie halten meist nur 13 bis 14 Stunden durch und das ist, im Vergleich zu Bose oder Sony, verdammt wenig. Jedoch laden sie per beiliegendem USB-C-Kabel ziemlich schnell wieder auf. Lustiger Funfact am Rande: Obwohl die App noch nicht auf deutsch erhältlich ist, spricht Cortana bei jedem Anschalten der Kopfhörer auf deutsch zu einem. Dann zählt sie die verschiedenen verbundenen Geräte auf und wie viel Akkuladung noch verfügbar ist. Leider unterbricht das oft den Musik- oder Podcastfluss, denn verliert man einmal die Verbindung zu einem Gerät, beispielsweise dem Laptop, teilt sie das auch prompt mit. Nur leider pausiert das Medium dann nicht, wie so oft bei anderen Kopfhörern. Das heißt, man verpasst circa 5 Sekunden, weil Cortana einfach drüberlabert. Das stört mich, ehrlich gesagt, schon sehr!

Und nun?

Die Surface Headphones sind gut, aber nicht großartig. Wer das große Gesamtpaket sucht, bei dem alles stimmt, wird mit Microsofts Kopfhörern nicht glücklich werden. Für das gleiche Geld kann man sich auch die Bose QC35 II oder die Sony MX1000M3 kaufen – die legen noch eine Schippe oben drauf. Die geringe Akkulaufzeit und die fehlenden Codecs sind absolute Minuspunkte. Auch die Geräuschunterdrückung ist bei der Konkurrenz besser. Wer jedoch viel Wert auf Design legt, der könnte sich die Surface Headphones einmal näher anschauen. Ihr Aussehen ist bislang einzigartig. Auch ihre Bedienung per Drehrad ist ein echtes Power-Feature. Sind sie außerdem sehr komfortabel, gut verarbeitet, haben einen USB-C-Anschluss und eine solide Konnektivität. Insgesamt lässt sich sagen: Für Microsoft-Fans auf jeden Fall einen Blick wert, für alle anderen, wartet lieber auf die zweite Version.

Surface Headphones

Verarbeitung
Tragekomfort
Soundqualität
Mikrofonqualität
Ausstattung
Preis-Leistungs-Verhältnis

Tolle Verarbeitung und eine einzigartige Bedienung. Minuspunkte gibt es für Kleinigkeiten, die Microsoft in der nächsten Version bestimmt verbessern kann.

Vera Bauer

Ich bin 24 Jahre alt und wohne in der Nähe von Wolfsburg. Hier habe ich mich als Bloggerin und YouTuberin selbstständig gemacht. Technik begleitet mich durch meinen ganzen Alltag - studiert habe ich beispielsweise "Interactive Media Design", ein Studiengang, der Technik und Design miteinander verbindet. Auf meinem YouTube-Kanal nehme ich meine Zuschauer zu Techevents mit und stelle Geräte in kreativen Reviews vor :)

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Vera

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Hinter der grauen Fassade steckt einiges an Technik, nichtsdestotrotz: Das Grau muss man mögen. Viel Abwechslung gibt es nicht und bisher wurden auch noch keine weiteren Farbvariation angekündigt. Wer ein bisschen auf Details achtet, wird allerdings feststellen, dass die Farbe allein kein Statement setzt. Zum einen heben sich die Headphones durch den Knick im Bügel von der breiten Masse ab und wirken so weniger protzig. Sie schmiegen sich quasi an den Kopf des Trägers. Bügel und Ohrmuscheln...

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