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Unterschiede zwischen Garantie und Gewährleistung bei Elektrogeräten

Fragen rund um die Garantie und Gewährleistung

Auch bei legetimen Gewährleistungswünschen der Kunden versuchen viele Händler sich vor ihrer Pflicht zu drücken, um Zeit und Geld zu sparen. Folgende Situationen ergeben sich in der Praxis oft, auch bei großen Elektronikfachmärkten beim Umtausch eines defekten Elektrogeräts.

1. „Reparatur oder Austausch erfolgt nur über den Hersteller“

Die gesetzliche Gewährleistung besteht immer zwischen Händler und Käufer. Lediglich bei einer Garantie ist es möglich, das diese zwischen dem Käufer und dem Hersteller besteht. Der Käufer hat jedoch die freie Wahl sich zu entscheiden ob er sein Gewährleistungsrecht gegenüber dem Händler durchsetzt oder ob er auf die Garantie zurückgreift.

2. „Garantie gibt es bei uns nicht“

Grundsätzlich ist es möglich, dass der Händler und/oder der Hersteller keine Garantie gibt. In einigen Fällen versuchen sich Händler mit dieser Aussage jedoch auch um die in jedem Fall  gesetzlich zugesicherten Gewährleistungsansprüche zu drücken und die Unwissenheit ihrer Kunden auszunutzen. Auch ein Ausschluss der Gewährleistung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ist rechtlich unwirksam. Einzig bei Privatverkäufen ist es möglich, dass auch die gesetzliche Gewährleistung nicht erfolgt.

3. „Natürlich Verschleiß statt Mangel“

Die Unterscheidung zwischen einen Mangel und natürlichem Verschleiß ist nicht einfach und muss im Einzelfall geprüft werden. Die Grenzen sind hier oft fließend.

Bei einem Akku der nach nur 4 Wochen Nutzungsdauer 30 Prozent seiner Kapazität verloren hat liegt sicherlich ein Mangel vor, doch wie ist es bei einem Akku der 12 Monate alt ist und 40 Prozent seiner Kapazität verloren hat?

In der Praxis hilft hier die Frage „ob es normal ist, dass die Ware innerhalb des Zeitraums so stark verschleißt.“ Sollte sich der Händler querstellen und den Artikel nicht umtauschen oder reparieren hilft hier nur ein Gutachten durch einen Sachkundigen. Das Kostenrisiko liegt hier jedoch erst beim Käufer, da der Händler die darauf entstandenen Kosten nur tragen muss, wenn der Gutachter entscheidet, dass tatsächlich ein Mangel und kein Verschleiß vorliegt.

4. „Die Reklamation benötigt ein RMA-Formular oder eine RMA-Nummer“

Die Reklamation ist gesetzlich an keine Form gebunden. Sie kann mündlich oder schriftlich erfolgen und die Nutzung eines Formulars des Händlers kann erfolgen, ist aber nie Voraussetzung dafür, dass die Reklamation wirksam eingereicht wurde. Zur Fristsetzung und besseren Beweisbarkeit ist es jedoch stets ratsam die Reklamation schriftlich einzureichen.

5. „Keine Gewährleistung bei gebrauchten Waren“

Auch bei gebrauchten Waren bestehen die gesetzlichen Gewährleistungsrechte. Lediglich der Zeitraum wird von zwei auf ein Jahr reduziert. Ein Ausschluss über die AGB ist auch bei Gebrauchtwaren nicht möglich.

6. „Der Mangel wurde zu spät gemeldet“

Der Kunde kann den Mangel innerhalb der zwei Jahre Gewährleistung melden er möchte. Er ist nicht dazu gezwungen bestimmte Fristen einzuhalten, auch wenn der Händler etwas anderes behauptet oder in seine AGB aufgenommen hat. Ein Mangel kann beispielsweise im 12 Monat nach Kauf aufgetreten ist kann auch noch im 24 Monat gemeldet werden, ohne dass sich dadurch die Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Händler „in Luft auflösen“.

7. „Keine Gewährleistung bei reduzierter oder B-Ware“

Zwei Jahre Gewährleistung gelten auch bei reduzierte Ware, Vorführware oder B-Ware. Der Händler kann jedoch bestimmte Dinge ausschließen, die der Grund für die Reduzierung waren.

Bei einem Notebook das auf einer Messe als Vorführgerät genutzt wurde kann der Hersteller beispielsweise im Angebot Kratzer und Gebrauchsspuren am Gehäuse und Display ausschließen, bei einem Defekt der Mainboards gelten die üblichen Gewährleitungsansprüche dann aber weiterhin.

8. „Ein Umtausch ist nicht möglich, sondern nur die Reparatur der Ware“

Ob bei einem Mangel die Ware ausgetauscht oder repariert wird entscheidet der Käufer. Der Käufer kann dies nicht generell ablehnen, sondern nur im Einzelfall. Er muss dazu jedoch begründen wieso er den Umtausch nicht durchführen möchte. Möglich ist dies in Fällen von unverhältnismäßig hohen Kosten.

9. „Gewährleistung der Ware nur mit Kassenbon/Rechnung“

Theoretisch können Käufer ihren Gewährleistungsanspruch ohne ihren Kassenbon oder eine Rechnung durchsetzen. Die Gewährleistung darf nicht verweigert werden, weil kein Kassenbon vorgelegt werden kann. Da der Händler jedoch nur Reklamationen akzeptieren muss von Waren die auch tatsächlich verkauft hat müssen Käufer bei einem fehlenden Kassenbon anders nachweisen, dass die Ware bei dem jeweiligen Händler erworben wurde. Dies kann zum Beispiel durch einen Zeugen erfolgen oder über die Kundendaten des Händlers.

10. „Gewährleistung nur mit Verpackung und Zubehör“

Die Gewährleistung kann nicht verweigert werden, weil der Käufer die Originalverpackung ohne Zubehörteile wie die Bedienungsanleitung nicht mehr besitzt. Käufer sind nicht verpflichtet die Originalverpackung bei einer Reklamation mitzubringen, wenn beispielsweise der Händler behauptet diese für den Rückversand zu benötigen.

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Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Berlin.
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