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Digitalisierung: Bund missachtet Nachhaltigkeit bei Rechenzentren

So komfortabel die Digitalisierung unser Privat- und Berufsleben machen mag, so schädlich ist sie leider auch für das Klima. Auch, wenn man hier keine qualmenden Schornsteine sieht, handelt es sich bei Großraumbüros mit Serveranlagen und massenhaft Computern um wahre Energiefresser. Um die Auswirkungen auf das Klima einzudämmen, hat Deutschland deshalb auch umweltpolitische Vorgaben für sich selbst geschaffen. Nun ist bekannt geworden, dass der Bund selbst bei seinen insgesamt 184 Rechenzentren und jeder Menge IT-Technik die Vorgaben des Blauen Engels offenbar missachtet hat.

Vorgaben für Nachhaltigkeit der Digitalisierung missachtet

In Sachen Energieverbrauch möchte der Bund mit gutem Beispiel vorangehen. Dementsprechend rief man in Berlin umweltpolitische Vorgaben ins Leben. Diese sollten eigentlich für alle bundeseigenen IT-Anlagen gelten.  Eine kleine Anfrage im Bundestag hat nun ergeben, dass die Vorgaben offenbar ignoriert wurden. So hat die Fraktion Die Linke bei der Regierung nachgehakt und eine erschreckende Antwort erhalten. In der letzten Woche hat Anke Domscheit-Berg, digitalpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, die Anfrage ins Netz gestellt. Aus dieser geht hervor, dass weniger als 10 % aller vom Bund betriebenen Rechenzentren nicht einmal ihre Abwärme als Heizmöglichkeit nutzen.

Obendrein kristallisiert sich heraus, dass der angestrebte Betrieb mit erneuerbaren Energien nur sekundär stattfindet. So nutzen nicht einmal 30 % aller Anlagen die nachhaltigen Energiequellen. Es gibt wohl nur ein einziges Rechenzentrum, das den eigenen Vorgaben des Blauen Engels entspricht. Bei insgesamt 184 Rechenzentren ist das ein wahres Armutszeugnis. Angesichts der gegenwärtigen Energiekrise handelt es sich hierbei wohl um einen ausgewachsenen Skandal im Bereich der Digitalisierung. Wie schwerwiegend der Energieverbrauch von Rechenzentren sein kann, zeigt Irland als lebendes Beispiel. Hier betreiben IT-Konzerne wie bspw. Meta gigantische Serveranlagen, die seit Monaten die Stromversorgung der Privathaushalte gefährden. 

Schlechte Kommunikation der Rechenzentren

Weiterhin hat die kleine Anfrage zutage gefördert, dass die Berichterstattung seitens vieler Rechenzentren gelinde gesagt mangelhaft ist. So hat wohl nur ein Drittel aller Einrichtungen auch belastbare Angaben zu den verwendeten Energieressourcen machen können. Als Benchmark im Bereich der Umweltfreundlichkeit von IT-Anlagen gilt der Blaue Engel. Dieser wurde vom Bundesumweltministerium selbst ins Leben gerufen und umfasst insgesamt acht Kriterien. Von diesen haben stolze 118 von 184 Rechenzentren des Bundes wohl kein einziges einhalten können. Zumindest lagen seitens der Anlagen keine Daten vor.

Ganz offensichtlich predigt der Bund beim Thema nachhaltiger Digitalisierung Wasser, trinkt dabei aber munter Wein. Schließlich liegen die großen Ziele noch in weiter Ferne. Bislang konnte man weder die Anzahl der Rechenzentren verringern, noch für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Als Ursache gilt dabei die mangelhafte IT-Konsolidierung des Bundes. Schließlich hatte man in Berlin bereits mehrere Jahre Zeit, das Großprojekt anzugehen. Bleibt nur zu hoffen, dass mit der gegenwärtigen Energiekrise auch ein Wachrütteln stattfindet und die IT des Bundes moderner wird.

Jens Scharfenberg

Gaming und Technik waren stets meine Leidenschaft. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Als passionierter "Konsolero" und kleiner "Technik-Geek" begleiten mich diese Themen tagtäglich.

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