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Gesetzesentwurf: Rechenzentren sollen umweltfreundlicher werden

Rechenzentren gelten als wahre Stromfresser, was nicht nur umweltschädlich ist. Obendrein verursachen diese in Zeiten explodierender Preise für Strom und Gas immens hohe Kosten. Damit soll nun Schluss sein. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sieht vor, dass schon bald strengere Regeln kommen sollen. Die Vorgaben, welche die großen Serveranlagen umweltfreundlicher machen sollen, kommen aber nicht bei jedem gut an.

Rechenzentren im Visier

Wer den Energieverbrauch von Rechenzentren auf die leichte Schulter nimmt, sollte einmal einen Blick nach Irland werfen. Die „Grüne Insel“ gilt bei Tech-Konzernen wie Google und Meta als das europäische Mekka, wenn es um den Betrieb großer Serveranlagen geht. Dies hat in aller erster Linie steuerrechtliche Vorteile für die US-Konzerne. Was die Unternehmen erfreuen mag, droht das Stromnetz Irlands über kurz oder lang lahm zu legen, fürchten Experten. Schließlich sind die rasend schnell wachsenden Serverfarmen wahre Stromfresser und zwingen örtlich bereits die ersten Energieversorger in die Knie.

Was in Irland bereits trauriger Alltag ist, scheint in den Augen des BMWK unter der Leitung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auch hierzulande zu drohen. Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, möchte man rechtzeitig intervenieren. Als Mittel der Wahl sollen dabei unter anderem strengere Auflagen im Bereich des Klimaschutzes gelten. Möglich machen soll es das „Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz, Verbesserung des Klimaschutzes im Immissionsschutzrecht und zur Umsetzung von EU-Recht“, welches das Bundesministerium bereits entworfen hat. Das Gesetz soll bereits ab 2024 Geltung entfalten.

Grüner Strom für Rechenzentren

Die Redaktion von iX, dem Magazin für professionelle Informationstechnik der Kollegen von heise online, hat eigenen Angaben zufolge bereits einen Blick in den Gesetzesentwurf werden können. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass das Ministerium Bezugsquellen für den Strom vorgeben möchte. So sollen IT-Anlagen ihren Strom vornehmlich aus erneuerbaren Energien beziehen. Obendrein spielt die Energieeffizienz der Anlagen eine große Rolle. Gleiches gilt für die sogenannte Wärmeauskopplung. Hierbei geht es darum, Abwärme der Serveranlagen als Energiequelle beispielsweise im Bereich der Fernwärme zu nutzen. Dies wird auch als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet. Außerdem geht aus dem Entwurf hervor, dass man zwischen Rechenzentren und IT-Betreibern unterscheiden möchte. Da Rechenzentren in der Regel weit größer sind, sollen sie beispielsweise ein sogenanntes Umweltmanagementsystem einführen und selbiges validieren lassen. Eine Zertifizierung des hauseigenen Energiemanagements möchte man wohl ebenfalls verlangen.

Mehr Transparenz für die Kunden

Experten befürchten bereits jetzt, dass das Vorhaben mit einem gigantischen bürokratischen Aufwand verbunden sein könnte. Schließlich kennt man Vorgaben wie ein Energiemanagement bereits aus anderen Gebieten. Insbesondere in der Landwirtschaft müssen entsprechende Vorgaben eingehalten werden. Allerdings könnte im Zuge der Digitalisierung alles ein wenig leichter ablaufen. So müssten Kontrollen womöglich nicht in persona durchgeführt werden. Stattdessen könnten die Systeme ihre Angaben auch digital zu den Behörden schicken. Ein großer Vorteil dürfte für IT-Kunden entstehen, denen Umweltschutz wichtig ist. So soll die Angabe zur Energieeffizienz für mehr Transparenz gegenüber den Nutzern von Servern und Cloudlösungen sorgen. Wem die ausschließliche Nutzung erneuerbarer Energien zum Betrieb eines Rechenzentrums wichtig ist, der soll sich dieses auch aussuchen können.

Strom ab 2024 zur Hälfte aus erneuerbaren Energien

Die ersten großen Neuerungen betreffen die Betreiber der Rechenzentren bereits im Januar 2024. Ab diesem Zeitpunkt sollen mindestens 50 Prozent des benötigten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Im Jahr darauf soll der bezogene Strom dann sogar vollständig grün sein. Um den Vorgaben zur Kraft-Wärme-Kopplung entsprechen zu können, wird der Spielraum für Betreiber eines Rechenzentrums erheblich eingeschränkt. Schließlich können die Vorgaben des Gesetzesentwurfs eigentlich nur von modernen Rechenzentren mit Luft- oder Wasserkühlung eingehalten werden. Diese müssen ihre Abwärme dann auch an die örtlichen Unternehmen weiterreichen, die Fernwärme anbieten. Experten befürchten, dass es für neue Rechenzentren damit extrem schwer wird, einen passenden Standort zu finden.

Große Kritik von der Bitkom

Auch der Branchenverband Bitkom ist mit dem Entwurf alles andere als zufrieden. Aufgrund der aus ihrer Sicht fragwürdigen Neuregelungen könnte man dafür sorgen, dass IT-Unternehmen Deutschland verlassen werden. Schließlich sind andere EU-Länder weitaus attraktiver. Insbesondere die Regelungen zur Abwärme seien veraltet. Laut Bitkom herrsche derzeit ein Überangebot an Abwärme seitens der Rechenzentren. Viele regionale Energieversorger sind von der Fernwärme von Rechenzentren nicht überzeugt. Schließlich empfinden sie diese als zu unsicher. Da es sich lediglich um einen Gesetzesentwurf handelt, sind Änderungen im „Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz, Verbesserung des Klimaschutzes im Immissionsschutzrecht und zur Umsetzung von EU-Recht“ aber sicherlich noch möglich. Wir halten euch auf dem laufenden.

Jens Scharfenberg

Gaming und Technik waren stets meine Leidenschaft. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Als passionierter "Konsolero" und kleiner "Technik-Geek" begleiten mich diese Themen tagtäglich.

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