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TikTok darf vorerst keine personalisierte Werbung in EU schalten

Erst im Juni berichteten wir darüber, dass TikTok seinen Nutzern verpflichtend personalisierte Werbung anzeigen möchte. Nun dürfen europäische User jedoch aufatmen, denn vorerst wird es keinen Zwang zur personalisierten Werbung geben. Grund dafür ist, dass zunächst einmal die zuständigen Datenschutzbehörden ihre finale Prüfung durchführen möchten.

Zwang zur personalisierten Werbung in Datenschutzbestimmungen

Dass das chinesische Kurzvideoportal es nicht ganz so ernst mit dem Thema Datenschutz nimmt, wurde bereits einige Male deutlich. Zuletzt kam ans Tageslicht, dass TikTok sämtliche Daten seiner Nutzer einsehen kann. Heute nun treten die neuesten Datenschutzbestimmungen für Europa in Kraft. Zeitgleich mit den neuen Bestimmungen zum Datenschutz sollte eigentlich auch eine neue Regelung zur personalisierten Werbung in Kraft treten. Genauer gesagt müssen nun volljährige Nutzer des Dienstes die Anzeige personalisierter Werbung hinnehmen. Bislang war es möglich, diese in den Einstellungen der App zu deaktivieren. Damit soll nun aber Schluss sein.

Dahinter stecken natürlich in aller erster Linie wirtschaftliche Belange. So ist es ein offenes Geheimnis, dass sich mit personalisierter Werbung weit mehr Geld verdienen lässt, als mit herkömmlicher. Im Detail sieht das wie folgt aus. TikTok wertet aus, welche Videos von einem volljährigen Nutzer konsumiert werden und ordnet anhand dessen diesen dann einer bestimmten Gruppe zu. Werbekunden des Unternehmens können sich dann gezielt für eine Ausspielung ihrer Werbung bei bestimmten Personengruppen entscheiden. Mit diesem Werbeangebot lässt sich weit mehr Geld verdienen als mit herkömmlicher Werbung.

Pläne werden kurz vor Inkrafttreten zerschlagen

Was in der Theorie nach einem guten Plan klingt, wird TikTok vorerst wohl nicht umsetzen können. Zumindest teilte das Unternehmen seinen Nutzern nun mit, dass man den Passus zur personalisierten Werbung in den neuen Datenschutzbestimmungen zunächst einmal auf Eis legen werde.

Während wir uns mit den Fragen der Interessenvertreter*innen zu unseren vorgeschlagenen Änderungen an der personalisierten Werbung in Europa auseinandersetzen, pausieren wir die Einführung dieses Teils unserer Aktualisierung der Datenschutzrichtlinie.[…]Wir sind der Meinung, dass personalisierte Werbung das beste In-App-Erlebnis für unsere Community bietet und uns mit den Praktiken der Branche in Einklang bringt. Gerne tauschen wir uns mit Interessenvertreter*innen aus und gehen auf ihre Bedenken ein.TikTok

Unterschiedliche Ansichten bei Grundsatzfragen

Natürlich stellt sich die Frage, was genau TikTok nun mit den Bedenken der Datenschutzbehörden meint. Es handelt sich wohl um unterschiedliche Ansichten bei der Frage, was genau „berechtigte Interessen“ sind. Der Begriff taucht im EU-Recht auf und gilt als eine Ausnahme dafür, wann Daten für personalisierte Werbung ohne explizite Zustimmung gesammelt werden dürfen. Besteht kein solches Interesse, muss den Nutzern die Wahlfreiheit obliegen. Folglich muss TikTok den zuständigen Datenschutzbehörden nun beweisen, dass man ein berechtigtes Interesse an der Datensammlung hat. Aus Sicht des chinesischen Unternehmens besteht das Interesse natürlich zweifelsohne.

Die Gegenseite in Form der EU-Datenschutzbehörden, hegt allerdings sehr wohl Zweifel an dem Bestehen eines solchen. Eine große Rolle spielt dabei die Datenschutzbehörde Italiens. Sie hat TikTok sogar in der letzten Woche mit warnenden Worten darauf hingewiesen, dass das Vorhaben, personalisierte Werbung zum Zwang zu machen, illegal sei. Probleme hat die Datenschutzbehörde nicht nur aufgrund der Verstöße gegen italienisches sowie EU-Datenschutzrecht gesehen. Obendrein hegt man berechtigte Zweifel daran, dass TikTok auch wirklich nur volljährigen Nutzern die personalisierte Werbung aufzwingen wird. Schließlich ist die Altersverifikation des Dienstes nicht wirklich zuverlässig.

Irland hat sich durchgesetzt

Obwohl die Drohungen aus Italien gegen TikTok durchaus Hand und Fuß hatten und sicherlich rechtliche Konsequenzen für den Videodienst bedeutet hätten, maß man diesen in China keine große Bedeutung bei. So kündigte das Unternehmen an, auch weiterhin die Neuauflage seiner Datenschutzbestimmungen inklusive der Klausel über die personalisierte Werbung durchsetzen zu wollen. Zum Glück sprang die bei großen IT-Unternehmen aus Fernost, aber auch den USA bekannte Datenschutzbehörde Irlands für die TikTok-User in die Bresche. Nach einem klärenden Gespräch mit dem Unternehmen in China konnte die Behörde dann die Vereinbarung treffen, dass TikTok zumindest vorerst auf den Part mit der personalisierten Werbung verzichten werde.

Wenn sich die Datenschutzexperten in Irland dann eine Meinung über den Fall gebildet haben, werde man weitersehen. Solange dürfen die TikTok-User in Europa die unterhaltsamen Kurzvideos noch ohne Angst vor der Sammlung ihrer persönlichen Daten genießen. Wenn man sich vor Augen führt, dass TikTok seinen europäischen Sitz in Irland hat, kann man schnell verstehen, warum der Dienst nach Anordnung der Iren hellhörig geworden ist. Wir sind gespannt, ob TikTok tatsächlich seine neuen Datenschutzbestimmungen durchgeboxt bekommt oder das europäische Datenschutzrecht obsiegt.

Jens Scharfenberg

Gaming und Technik waren stets meine Leidenschaft. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Als passionierter "Konsolero" und kleiner "Technik-Geek" begleiten mich diese Themen tagtäglich.

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