PC- & Konsolen-Peripherie

HTC Vive Cosmos Elite – Ab in die virtuelle Realität

2016 kamen die Oculus Rift und die HTC Vive auf den Markt und machten VR salonfähig. Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, zahlreiche Spiele und bessere Nachfolgegeräte wurden vorgestellt. Eines von letzteren haben wir ausprobiert: Das HTC Vive Cosmos Elite.

Ohne Zubehör kostet das VR-Headset 420 € (aktuell € 469,99 *), zusammen mit Controllern und zwei Basisstationen, die das Tracking übernehmen, gibt es das Headset für 820 € (aktuell € 799,00 *).

Der nachfolgende Artikel hat zwar teilweise die Struktur eines Testberichts, doch mangels Vergleichsgeräten soll er nicht wirklich einer sein. Anstatt das HTC Vive Cosmos Elite mit anderen Geräten zu vergleichen, wollen wir unsere ersten Erfahrungen mit dem Headset schildern, und erklären, was für Vorteile und Probleme VR in der aktuellen Generation mit sich bringt.

Spezifikationen

Auflösung: 2x 1.440 x 1.700
Sichtfeld: bis 110 Grad
Bildwiederholfrequenz: 90 Hz
Bildschirm-Typ: 3,4″ LCD
Sensoren: Beschleunigungssensor, Gyroskop, IPD
Tracking: Lighthouse 1

Lieferumfang

In unserem Fall kam das HTC Vive Cosmos Elite als Komplettpaket. Neben dem Headset selbst lagen also auch noch die beiden Controller sowie zwei Lighthouse-Stationen bei. Wer auf das freie Bewegen im Raum verzichten kann, kommt auch ohne das beiliegende Zubehör und nur mit einem Gamepad zurecht. Doch wer richtig „eintauchen“ möchte, für den ist ein Komplettset in unseren Augen die sinnvollste Lösung.

Wer das Komplettpaket kauft, der bekommt auch genau das: HTC legt alle benötigten Netzteile, Kabel und sogar ein Wand-Montageset mitsamt Dübeln für die Basisstationen bei. Abgesehen von einem leistungsstarken Rechner wird sonst nichts mehr benötigt.

Das Headset im Detail

Das HTC Vive Cosmos Elite besteht aus einem Hauptgehäuse, in das die Elektronik, die Displays und die Linsen eingelassen sind, und einem Kopfbügel, an dem die Lautsprecher angebracht sind. Wenn man das Headset aufsetzt, liegt das Gesicht auf Schaumstoffpolstern auf, während die Nase durch zwei überlappende Gummiblenden abgedeckt wird. Dadurch wird das Blickfeld nahezu vollständig abgedeckt. Lediglich wenn wir nach unten sahen, konnten wir durch einen winzigen Spalt an der Nase vorbeischauen. Das hat aber im Betrieb nicht gestört und war stattdessen manchmal sogar nützlich, wenn man etwas sucht und das Headset nicht abnehmen möchte.

Direkt vor den Augen befinden sich die Linsen, die im Zusammenspiel mit den Displays den „VR-Effekt“ ermöglichen. Durch sie blickt man auf die Bildschirme, wobei dem Gehirn ein deutlich größerer Sichtabstand vorgegaukelt wird als er eigentlich vorhanden ist. Das entspannt die Augen.

Wir haben das Headset mit verschiedenen Brillen ausprobiert und konnten nie Probleme feststellen: Das Bild war immer scharf und der Platz stets ausreichend. Zudem störten uns auch die Brillenbügel beim Tragen nie.

Der Kopfbügel, durch den das Gewicht der Brille auf den Kopf verteilt wird, besteht im Falle der Cosmos Elite aus Kunststoff. Das hintere Segment kann dabei durch die Drehschraube stufenlos nach innen geschoben werden – dadurch wird der Bügel auf die Kopfform eingestellt. Wichtig ist zudem auch das elastische Halteband an der Oberseite, durch das man ein vertikales Verrutschen verhindern kann.

Ergonomisch konnte uns das Vive Cosmos Elite somit überzeugen, und auch haptisch ist alles im grünen Bereich: Die Bedienelemente sind auch ohne hinzusehen leicht zu erreichen, und die Verarbeitungsqualität ist in Ordnung. Natürlich darf man keine Wunder erwarten: Das Headset ist nicht großartig mit Metall oder dergleichen ausgestattet, aber es ist eben auch gewissermaßen ein Gebrauchsgegenstand – und dafür ist das Headset in unseren Augen gut gelungen.

Und was ist mit den Controllern?

Die Controller stammen noch aus der ersten Generation und bieten eine Trigger-Taste unter dem Zeigefinger sowie ein Touchpad unter dem Daumen, das zudem in auch gedrückt werden kann. Als letzte Option gibt es außerdem Grifftasten, die registrieren, wenn man mit der Hand den Controller „zusammendrückt“.

Wir konnten uns im Test schnell an diese Bedienmöglichkeiten gewöhnen und sie auch blind problemfrei bedienen. Zur Verarbeitungsqualität gilt dabei dasselbe wie bei VR-Headset: Kunststoff, stabil, gut geeignet. Mit Hinblick auf die Zukunft wäre der Einsatz einer USB-C-Buchse als Ladenschluss noch schön gewesen, doch microUSB dürfte wohl auch in der nächsten Zeit noch weit verbreitet sein.

Die Einrichtung

Nach dem Auspacken kommt beim VR-Headset erst einmal das Aufbauen – zumindest, wenn man auf ein System mit Lighthouse-Tracking setzt.

Die Einrichtung des HTC Cosmos Elite dauert zwar etwas, sie ist aber leicht zu meistern. Als erstes müssen die Treibersoftware und die Steam-App SteamVR installiert werden, ab dann führen einen gut bebilderte, ausführliche Anleitungen durch die Installation. Kurz gesagt: Die VR-Basisstationen müssen an zwei gegenüberliegenden Ecken des Spielbereichs, bestenfalls möglichst weit oben, montiert und mit dem Strom verbunden werden. Dazu liegen Montagesets samt Dübeln bei, man kann aber auch weniger invasiv vorgehen und einfach Kamerastative einsetzen. Danach müssen nur noch das Headset angeschlossen sowie die Controller angeschaltet werden, bevor man zum Abschluss den Spielbereich einmisst.

Die größte Schwierigkeit bei der Einrichtung dürfte wohl das Finden eines freien Platzes sein, denn für SteamVR ist eine Freifläche von mindestens 2 auf 1,5 Meter notwendig – und mehr ist besser. Abseits davon ist der Aufbau aber unproblematisch, auch wenn wir Headsets mit externen Trackern, also wie hier, nur dann empfehlen, wenn die Tracker dauerhaft aufgebaut bleiben können. Alternativ benötigt man ein Headset, dass das Tracking über die Kameras übernimmt, doch hier kann es Probleme mit der Genauigkeit und dem Sichtfeld der Sensoren geben.

Sobald alles aufgebaut ist, muss am Rechner nur noch das gewünschte Spiel gestartet werden – SteamVR Home wird von Steam als „Basiszentrale“ gleich mitgeliefert. Dort kann man erste Erfahrungen sammeln, und andere Spiele starten.

Praxiserfahrungen mit dem Headset

Unser erste Moment in der VR war, rein subjektiv und ohne Anspruch auf Neutralität, überwältigend. Das Tracking der Kopfbewegungen sowie der Controller funktioniert sofort hervorragend: Bewegungen werden präzise und direkt übertragen und man fühlt sich sofort „wie drin“. Eine nennenswerte Eingewöhnungsphase ist nicht notwendig, man kann also direkt loslegen.

Einzig mit dem Aufsetzen des Headsets mussten wir uns erst anfreunden, denn das Vive Cosmos Elite hat leider einen recht engen Schärfebereich. Soll heißen: Wenn das Headset zu weit oben oder unten sitzt, wird das Bild schnell unscharf. Inwiefern das bei anderen VR-Headsets besser oder schlechter ist, können wir mangels Vergleichsprodukt nicht beurteilen. Doch sobald man sich eine zuverlässige Aufsetzroutine angeeignet hat, ist auch das kein größeres Problem mehr.

Abseits davon ist die gebotene Optik in unseren Augen mehr als ausreichend: Eine noch höhere Auflösung wäre zwar besser, um beispielsweise weit entfernte Texte zu lesen oder die Grafik noch besser bestaunen zu können, doch für die meisten Titel ist die Auflösung ausreichend. Auch typische Grafikprobleme wie Lens-Flares oder Fliegengitter sind in unseren Augen im Rahmen – sprich: Sie stören nicht.

Die Steuerung durch den mitgelieferten Controller fanden wir intuitiv: Die Tasten sind für alle Handgrößen gut positioniert und leicht zu bedienen. Durch die Aktionstaste unter dem Zeigefinger, die Grifftasten und das potentiell mehrfach belegte Touchpad hat man zwar nicht allzu viele Optionen – eine Steuerung einzelner Finger ist beispielsweise nicht möglich – aber für die von uns getesteten Spiele war es gut ausreichend.

Lobenswert fanden wir auch die Lösung mit den Lautsprechern: Diese lassen sich wahlweise am Ohr einrasten, oder in einer gewissen Distanz befestigen. Ersteres sorgt für eine gute Klangqualität bei hoher Immersion – wie es für Kopfhörer typisch ist – wohingegen man mit einem verbleibenden Luftspalt auch noch Umgebungsgeräusche wahrnehmen und sich mit anderen Leuten im Raum unterhalten kann. Störend fanden wir allerdings, dass es wirklich nur diese beiden Einraststufen gibt. Das kann das Einrasten bei breiten Köpfen etwas schwierig machen. Die übrigen Freiheitsgrade sind in unseren Augen für alle Kopf- und Ohrformen mehr als ausreichend.

Das einzige, das die VR-Erfahrung in unseren Augen langfristig trübt, ist das Verbindungskabel des Headsets. Dieses ist mit fünf Metern Länge zwar für alle erdenklichen Einsatzgebiete lang genug, doch kann es natürlich beim Spielen in den Weg kommen. Wir neigten dadurch meist dazu, eher zu schlurfen als zu gehen, um nicht auf das Kabel zu steigen. Man gewöhnt sich zwar recht schnell daran, dem Kabel automatisch auszuweichen; für das letzte Fünkchen Immersion wäre eine kabellose Übertagung, wie sie für einen Aufpreis angeboten wird, aber besser.

Ein Punkt, der das HTC Vive Cosmos Elite zudem noch betrifft, ist die fehlende Funktionalität der Kameras. Normalerweise könnte man durch diese die Umgebung im Headset wiedergeben, um das Headset nicht immer abnehmen zu müssen. Bislang ist diese Funktion aber noch nicht bei dem Headset erhältlich – das entsprechende Feld ist in der Konfigurationssoftware ausgegraut. Hier sollte HTC nachbessern, um noch etwas mehr Komfort zu schaffen.

Das Spiel macht das Erlebnis

Die Hardwareseite aktueller VR-Headsets, oder zumindest des HTC Cosmos Elite, ist in unseren Augen also weitestgehend gut gelungen. Bleibt die Software, und hier gibt es sowohl Licht als auch Schatten. Man könnte das Ganze als eine Art Vergrößerungsglas beschreiben: Gut umgesetzte Spiele machen viel mehr Spaß, schlechte Umsetzungen frustrieren deutlich schneller.

Spiele, die eine zuverlässige Steuerung und eine ordentliche Portion Eyecandy bieten, wie beispielsweise Audiotrip und wohl auch der Topseller Beatsaber, machen viel Spaß und motivieren, wohingegen andere Spiele, die ein unübersichtliches Movement oder gar Performance-Probleme haben, schnell anstrengend werden. Der Blick auf die Steam-Topseller verrät aber, dass es von den erstgenannten Spielen mehr als genügend Vertreter gibt, um sich lange zu beschäftigen.

Ein lohnenswerter Trip

Wer ohnehin mit dem Gedanken spielt, sich ein VR-Headset zuzulegen, der dürfte mit dem nun anstehenden Winter wohl die perfekte Gelegenheit gefunden haben. Wenn man das notwendige Kleingeld für ein VR-Headset, und einen entsprechenden PC, übrig hat, bekommt man dafür eine komplett neue Art des Gamings serviert.

Ob perfekt oder nicht: Wir hatten mit dem HTC Vive Cosmos Elite viel Spaß

VR ist in unseren Augen deutlich immersiver, als es klassische Computerspiele sind, aber zugleich auch sportlicher: Viele der von uns ausprobierten Spiele – und gerade jene, die uns am meisten Spaß gemacht haben – halten einen ordentlich auf Trab und lassen einen gerne mal ausgepowert zurück.

Ganz vom Tisch sind typische VR-Probleme mit der aktuellen Generation zwar noch nicht – Stichwort Motion Sickness – doch diese betrifft nur manche Spieler und schwächt sich zudem mit zunehmender Übung ab. Die Auswahl des richtigen Headsets ist natürlich noch eine offene Frage, die wir mangels verschiedener Geräte hier nicht beantworten können. Auf die allgemeine Frage, ob sich das VR-Erlebnis lohnt, haben wir dafür aber eine sehr klare Antwort: Ja, und warum nicht schon gestern?

Valentin

Durchgeknallter Vollzeitnerd

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Ohne Zubehör kostet das VR-Headset 420 € (aktuell € 419,70), zusammen mit Controllern und zwei Basisstationen, die das Tracking übernehmen, gibt es das Headset für 820 € (aktuell € 819,23).
Der nachfolgende Artikel hat zwar teilweise die Struktur eines Testberichts, doch mangels Vergleichsgeräten soll er nicht wirklich einer sein. Anstatt das HTC Vive Cosmos Elite mit anderen Geräten zu vergleichen, wollen wir unsere ersten Erfahrungen mit dem Headset schildern, und erklären, was für Vorteile und Probleme VR in der aktuellen Generation mit sich bringt.
Spezifikationen

Auflösung:
2x 1.440 x 1.700

Sichtfeld:
bis 110 Grad

Bildwiederholfrequenz:
90 Hz

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