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Berlin: Franziska Giffey videochattet mit falschem Vitali Klitschko

Berlins Regierende Bürgermeisterin hat in einer Videokonferenz mit einer Person gesprochen, die sich als Vitali Klitschko ausgab. Der Deep-Fake fiel zunächst nicht auf, der Verlauf des Gesprächs bot laut Berliner Staatskanzlei jedoch Anlass zu Zweifeln an der Identität des Gesprächspartners.

Gespräch wurde Anfang Juni vereinbart

Die Berliner Staatskanzlei teilte mit, dass Anfang Juni ein Gespräch zwischen Giffey und Klitschko vereinbart worden war. Wie genau die Verbindung zwischen Giffey und dem Deep-Fake-Betrüger nun jedoch konkret zustande gekommen ist, ist bisher unbekannt. Bekannt geworden ist lediglich, dass sich auch in Madrid und Wien ein falscher Klitschko bei den Bürgermeistern der Städte meldete.

Bekannt geworden ist der Zwischenfall durch eine Mitteilung der Staatskanzlei. Diese enthielt nicht nur Informationen zum Gesprächsverlauf, sondern auch ein Foto eines Bildschirms, auf dem die Videokonferenz von Giffey und dem vorgeblichen Klitschko zu sehen ist. Den Darstellungen der Staatskanzlei zufolge wurde das Gespräch nach einer halben Stunde von Seiten Giffeys abgebrochen, da der Gesprächsverlauf verdächtig gewesen sei. Demnach wurde zunächst über die Lage Geflüchteter aus der Ukraine in Berlin gesprochen, ehe der falsche Klitschko darauf drängte, Berlin solle darauf hinwirken, ukrainische Männer, die sich derzeit in der deutschen Hauptstadt befinden, zum Kämpfen in die Ukraine zu schicken. Ferner ist laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung seitens des falschen Klitschkos gefragt worden, ob die Erschleichung von Sozialleistungen durch ukrainische Geflüchtete für Berlin kein Problem darstelle und wie ein Christopher Street Day in Kiew am besten zu organisieren sei. Eine Aufzeichnung des Gesprächs wurde bisher nicht veröffentlicht.

Gespräch fand auf Russisch statt

Vitali Klitschko selbst hat sich in der Bild-Zeitung zum dargestellten Vorfall geäußert. Dort gab er unter anderem an, bei Gesprächen mit deutsch- oder englischsprachigem Gegenüber nicht auf eine Übersetzung angewiesen zu sein. Tatsächlich bat der falsche Klitschko darum, das Gespräch auf Russisch zu führen und übersetzen zu lassen. Giffey fand das nicht verdächtig, obwohl Klitschko bekanntermaßen der deutschen Sprache mächtig ist. Auf Twitter schreibt Giffey: „Zu Beginn des Gesprächs wurde gefragt, ob es auf Russisch + übersetzt stattfinden kann, da auch andere nicht deutschsprachige Mitarbeiterinnen dabei seien, die das Besprochene verstehen sollen“.

Wer hinter dem Deepfake steht, ist nicht bekannt. Der Wunsch, das Gespräch auf Russisch zu führen, könnte jedoch erste Hinweise auf den Standort und die Intention der hinter der Tat stehenden Personen geben.

Staatsschutz ermittelt

Der Staatsschutz der Berliner Kriminalpolizei hat mittlerweile die Ermittlungen aufgenommen und versucht, die Hintergründe des Vorfalls zu klären. Wiens Bürgermeister, der ebenfalls auf den falschen Klitschko hereinfiel und das Gespräch anders als Giffey nicht vorzeitig beendete, sieht im Einsatz eines Deep-Fakes hingegen kein großes Problem: „Nachdem in dem Gespräch keine verfänglichen Themen behandelt worden sind, ist das im konkreten Anlassfall sicher ärgerlich, aber kein großes Problem“.

Der Wiener Bürgermeister Ludwig übersieht jedoch damit die Sprengkraft, die die Deep-Fake-Technologie mit sich bringt: In ausgereifter Form und mit ausgeklügelten Betrugstechniken vereint genügt sie, um zu zentralen Stellen eines Staates vorzudringen und dort angebliche Anliegen bekannter Persönlichkeiten vorzutragen – was insbesondere in der derzeitigen Kriegssituation hochproblematisch ist. Entsprechende äußerte Giffey sich bei Twitter: „Es gehört leider zur Realität, dass der Krieg mit allen Mitteln geführt wird – auch im Netz, um mit digitalen Methoden das Vertrauen zu untergraben und Partner und Verbündete der Ukraine zu diskreditieren“. Die Möglichkeiten, bereits aus wenigen Aufnahmen einer Person einen täuschend echten Deep-Fake zu basteln, sind dabei seit einigen Jahren massiv gewachsen. So stellte etwa ein russisches Samsungteam im Jahr 2019 eine entsprechende Technologie vor.

Auch abseits von Deep-Fakes ist der Ukrainekrieg geprägt durch eine digitale Kriegsführung. Zu nennen ist hier etwa auch die GPS-Blockade in der Ukraine durch Russland.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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