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EU-Studie zur Digitalisierung in Europa

Die EU hat eine große Studie zur Digitalisierung in Europa in Auftrag gegeben. Nun liegen die Ergebnisse vor. Untersucht wurde der Grad der Digitalisierung in verschiedenen europäischen Staaten in mehreren Kategorien. Deutschland landete im Mittelfeld.

Vier Bewertungskategorien

Untersucht wurde der Grad der Digitalisierung von Behördenangeboten in allen EU-Ländern sowie in Island, Norwegen, der Schweiz, Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und der Türkei. Im Fokus stand dabei nicht die Digitalisierung als Selbstzweck, sondern die Nützlichkeit für die Einwohnenden der jeweiligen Länder. Diese waren es auch, die den Test durchgeführt haben. Sie sollten behördlich vorgeschriebene Verwaltungsschritte im Zusammenhang mit Lebensereignissen aus unterschiedlichen Bereichen (etwa Unternehmensgründung, Schule, Gesundheit oder Umzug) online vorzunehmen versuchen. Hierzu besuchten sie insgesamt rund 14.000 Behördenwebsites in den 35 untersuchten Ländern.

Bewertet wurde die Qualität der digitalen Angebote dabei in vier Kategorien: Nutzendenzentrierung, Transparenz der Dienste und ihres Umgangs mit Daten, Existenz von zur Verifizierung nutzbaren Key Enablern wie eID, elektronischer Dokumente oder ePost sowie grenzüberschreitende Dienste. Bewertet wurden die getesteten Länder dabei in Prozentzahlen.

Malta liegt an der Spitze

Den höchsten Wert und damit die besten Möglichkeiten, Behördenangelegenheiten sicher digital zu erledigen, erreichte Malte. Der ermittelte Prozentwert lag hier bei 96. Auf dem zweiten Rang folgte Estland mit 90 Prozent. Auf den Plätzen drei bis sieben folgten Luxemburg, Island, die Niederlande, Dänemark und Litauen. Insgesamt zeigte sich – trotz der Spitzenposition Maltas – ein Nord-Süd- sowie ein West-Ost-Gefälle. Die nord- und westeuropäischen Staaten ermöglichen deutlich häufiger eine digitale Erledigung von Behördenangelegenheiten und sind dabei barrierefreier, häufiger grenzüberschreitend nutzbar sowie stärker auf Transparenz bedacht. Auf den drei letzten Rängen lagen Rumänien mit 42, Montenegro mit 38 und Nordmazedonien mit 35 Prozent. Deutschland landete mit einem Prozentwert von 61 auf dem 21. Rang und damit im Mittelfeld. Die häufig gehörte Kritik, Deutschland hinke bei der Digitalisierung um Jahre hinterher, scheint demnach nicht gerechtfertigt.

Gezeigt hat sich in der Untersuchung ferner, dass ein Großteil aller Behördendienste in der EU online verfügbar ist, insgesamt 81 Prozent. 92 Prozent der zur Verfügung stehenden Websites funktionieren dabei auch auf Mobilgeräten. Als problematisch gewertet wurde hingegen die Datentransparenz: Nur 58 Prozent der Dienste erläutern, welche persönlichen Daten erhoben und verarbeitet werden. Ferner bemängelt wurde, dass die allermeisten Dienste nicht aus anderen Ländern genutzt werden können. So sind zwar zwei Drittel der Behördendienste mit einer eID verwendbar; in rund 50 Prozent der Fälle wird dabei jedoch ausschließlich die eID des eigenen Landes akzeptiert.

EU-Studie benennt drei Herausforderungen

Abschließend werden drei Herausforderungen benannt, die als zentral verstanden werden. Die digitalen Angebote sollen derart verändert werden, dass sie auch Nutzenden mit geringen digitalen Kompetenzen oder sonstigen Einschränkungen zur Verfügung stehen; Portale, die sich an Lebensereignissen orientieren und die Dienste verschiedener Behörden bündeln, sollen geschaffen werden und die Interoperabilität zwischen verschiedenen Behörden und Regierungsebenen soll durch besseren Datenaustausch und die Schaffung einer elektronischen Identität verbessert werden.

Während die beiden erstgenannten Schritte tatsächlich im Interesse der Nutzenden liegen dürften, entzündet sich an den Plänen einer einheitlichen digitalen Identität Kritik. So haben etwa die Grundrechtsorganisationen EDRi und Epicenter Works darauf hingewiesen, dass eine eindeutige elektronische Identität das von zentraler Stelle erfolgende Tracking aller Aktivitäten, die eine Legitimation erfordern, zulasse – was zu unabsehbaren Disziplinierungsmöglichkeiten seitens des Staats führt. Ferner wird bemängelt, dass die EU-Pläne zur elektronischen Identität Unternehmen in die Hände spielen könnten, die hierüber staatlich verifizierte Identitätsdaten erhalten und mit ihren bisher erhobenen Daten zusammenbringen könnten – was wiederum erweiterte Möglichkeiten der Manipulation schafft.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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