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EcoFlow Powerstream: Balkonkraftwerk im Test

Balkonkraftwerke sind – wie wir selbst dokumentieren konnten – momentan äußerst beliebt. Immer mehr Produkte erscheinen und sie werden zugleich immer erschwinglicher. Zurückzuführen ist das primär auf zwei Ursachen: Die Strompreise sind ebenso wie das Bewusstsein für die ökologischen Folgen des eigenen Handelns deutlich gestiegen. Das Balkonkraftwerk verspricht, hier die All-in-One-Lösung zu sein: mehr Nachhaltigkeit bei weniger Kosten. Doch ein Problem gibt es: Der produzierte Strom kann nicht vollständig genutzt werden. Alles, was über den Bedarf hinaus produziert wird, wird ins Stromnetz eingespeist und kann damit nicht mehr kostenlos verbraucht werden. Das Kraftwerk EcoFlow Powerstream ist angetreten, diesen Umstand zu ändern. Sein Wechselrichter lässt sich mit einer Powerstation verbinden, die überschüssigen Strom speichert und zu einem späteren Zeitpunkt freigibt. Wir haben die Möglichkeit erhalten, diese innovativ klingende Lösung zu testen.

Lieferumfang

Geliefert wird das Balkonkraftwerk EcoFlow Powerstream in vielen einzelnen Kartons, die allesamt vollausgestattet mit Puffermaterial daherkommen. Besonders nachhaltig ist das nicht und der erste Eindruck damit für all jene, die primär aus ökologischen Gründen aufs Balkonkraftwerk setzen wollen, getrübt. Zurückzuführen ist diese Masse an Kartons darauf, dass EcoFlow sein Balkonkraftwerk modular aufbaut. Angeboten wird es in drei Standardsets; doch daneben ist auch die vollkommen individuelle Zusammenstellung der einzelnen Komponenten möglich. Eines der Standardsets enthält keine Stromspeichermöglichkeit, eines gilt als die Standardvariante und eines ist mit besonders leistungsfähigen Solarpaneelen ausgestattet. Wir selbst haben die Standardversion getestet.

Auch Kabel und Werkzeuge sind enthalten.

In unseren Kartons finden sich neben vier 100-Watt-Solarpaneelen ein Powerstream-Wechselrichter, die Powerstation Delta 2 Max (die in unserem Test einen Gold-Award gewinnen konnte), zwei Smart-Plugs, ein PV-Kabel zur Verbindung der Paneele mit dem Wechselrichter und ein flaches Kabel für den Stromanschluss. Das flache Kabel dürfte sich noch als sehr nützlich erweisen, da es gut für die Tür- oder Fensterdurchführung geeignet ist.

Bei den bereits erwähnten Smart-Plugs handelt es sich um WLAN-Steckdosenaufsätze mit Energieflussmessung. Sobald sie einen Energiefluss detektieren, gibt EcoFlow exakt diese Menge an Energie frei. So wird sichergestellt, dass genau der eigene Verbrauch vom Balkonkraftwerk abgedeckt wird, ohne dass zu viel produzierter Strom abgegeben wird. Das macht das Kraftwerk ökonomisch sehr nachhaltig.

Mit den Smart-Plugs wird nur bei detektiertem Strombedarf Strom abgegeben.

Ebenfalls mitgeliefert werden eine Montageanleitung sowie Schrauben und Werkzeug.

Design und Verarbeitung

Das Design aller Komponenten des EcoFlow Powerstream ist unauffällig. Die Powerstation Delta 2 Max, die mit einem Gewicht von rund 23 Kilogramm außerordentlich schwer ist, ist optisch klassisch gehalten. EcoFlow setzt hier auf schwarze sowie auf silberne Elemente, die beide matt sind. Gleiches gilt für den Wechselrichter, der ebenfalls hochwertig verarbeitet und im beschriebenen Design gehalten ist.

Der Wechselrichter liegt auf der Powerstation.

Auch bei den Solarpaneelen setzt das Unternehmen auf traditionelle Optik. Die Paneele sind hochwertig verarbeitet und lassen sich dank Aufsteller flexibel verwenden. Für die Praxis ist das von enormer Bedeutung. So müssen sie nicht zwingend an einem Balkon montiert werden, sondern können auch etwa liegend verwendet werden. Das gilt jedoch nur für die Standardpaneele, die im No-Storage- sowie im 1kWh-Storage-Kit angeboten werden. Daneben bietet EcoFlow auch starre Paneele an, die mit 400 Watt deutlich leistungsstärker, jedoch ausschließlich für die Balkonmontage geeignet sind. Solarpaneele von EcoFlow müssen indes nicht zwingend verwendet werden, da der Wechselrichter und die Powerstation auch mit anderen Paneelen kompatibel sind. Sichergestellt wird diese Kompatibilität durch die Verwendung genormter MC4-Stecker. In unserem Test haben wir die Solarpaneele von EcoFlow nicht verwendet, sondern auf solche von Anker gesetzt, die bereits an unserem Balkon installiert waren, da wir zuvor das Anker Solix RS40P getestet haben. Zur Montage der Paneele können wir daher nicht viel sagen.

Montage

Sehr wohl einrichten mussten wir jedoch die weiteren Komponenten des EcoFlow Powerstream. Ein bedeutender Unterschied zu vielen anderen Produkten besteht dabei darin, dass eine aufwendige Installation des Wechselrichters nicht nötig ist. Die Solarpaneele müssen angebracht und per Kabel mit dem Wechselrichter verbunden werden, der danach nur noch per Schukostecker mit dem Stromnetz verbunden werden muss – fertig. Wer möchte, kann nun noch die Powerstation anschließen, wobei das Kabel leider sehr kurz ist. Die einzelnen Anschlüsse am Wechselrichter sind dabei klar gekennzeichnet, sodass jederzeit offensichtlich ist, welches Kabel an welchen Anschluss gesteckt werden muss. Die Smart-Plugs müssen bloß in eine Steckdose gesteckt werden.

Was uns ein wenig stört, ist hingegen die nicht sehr detaillierte Aufbauanleitung. Insbesondere Anfänger könnten hier ins Schwitzen kommen. So wird etwa mit keinem Wort erwähnt, dass bei einem Set mit vier 100-Watt-Paneelen jeweils zwei in Serie geschaltet werden müssen. Gewisse Grundkenntnisse werden hier also schlicht vorausgesetzt. Auch die Werkzeugausstattung im Set ist eher dürftig.

App

Ist alles montiert, steht der Download der EcoFlow-App an, die sowohl für iOS als auch unter Android kostenlos zur Verfügung steht. Um sie und alle Geräte in vollem Umfang nutzen zu können, ist eine WLAN-Verbindung nötig. Überrascht hat uns, dass in der App selbst keinerlei Arbeit mehr notwendig ist. Wird sie gestartet, werden alle Geräte automatisch erkannt, angezeigt und klar benannt. Auch die Vernetzung der einzelnen Geräte geschieht automatisch. Für uns bedeutet das, dass wir uns zurücklehnen können: Unsere Einrichtungsarbeit ist getan.

Daneben stellt die App eine Übersicht über produzierten und gespeicherten Strom zur Verfügung. Hier lässt sich einfach zwischen einer Tages-, einer Wochen- und einer Monatsdarstellung wechseln. So können Produktion und Verbrauch transparent nachvollzogen werden.

Ferner lässt sich die Einspeisung ins Hausnetz in der App manuell in Zehnerschritten regeln. Die Smart-Plugs können hier (de)aktiviert werden. Sinnvoll ist es, alle Geräte, die dauerhaft aktiv sind, über die in der App einstellbare Grundversorgung mit Strom auszustatten. Über die Smart-Plugs hingegen sollten idealerweise all jene Geräte versorgt werden, die nur hin und wieder in Betrieb genommen werden – eine Spülmaschine etwa. So lassen die einzelnen Funktionen sich maximal effizient nutzen.

In der App lässt sich einstellen, ob Stromversorgung oder Befüllung der Powerstation priorisiert werden sollen.

Auch zahlreiche weitere Einstellungen lassen sich in der App vornehmen. So ist es hier etwa möglich, die Stromversorgung des Haushalts gegenüber der Füllung des Stromspeichers zu priorisieren oder umgekehrt. Auch Zeitschaltungen und damit in Verbindung stehende Verzögerungen lassen sich in der App einstellen.

Leistung des EcoFlow Powerstream

Im Juni haben wir an 17 Testtagen 64,49 kWh Strom erzeugen können. Das ist eine sehr starke Leistung, die eine Einsparung von 13,71 Euro ermöglichte. Auf den Monat gerechnet sind das rund 113,8 kWh Stromproduktion und Ersparnisse von rund 24,20 Euro. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass eine solche Stromproduktion und damit eine solche Ersparnis nur in sonnenreichen Monaten möglich ist. Im Winter wird das Balkonkraftwerk weitgehend nutzlos sein. Die Speichermöglichkeit von maximal 2 kWh reicht dabei keineswegs aus, um eine längere sonnenfreie Zeit zu überbrücken: An 17 Tagen haben wir 15,15 kWh verbraucht. 2 kWh hätten damit für knapp mehr als zwei Tage ausgereicht.

Wir haben im Test Solarpaneele von Anker verwendet.

Fremde Solarpaneele können genutzt werden

Ferner müssen wir an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass wir nicht die im Paket enthaltenen Solarpaneele von EcoFlow, sondern solche von Anker verwendet haben. Die Anker-Paneele sind leistungsstärker als die von EcoFlow. Wer mit vier 100-Watt-Paneelen arbeitet, wird unsere Stromproduktionswerte nicht erreichen können, da unsere Paneele 580 Watt an Leistung bieten. Hierfür wäre die Nachrüstung weiterer Solarpaneele nötig. Das bedeutet auch, dass das Powerstream-Kraftwerk mit seiner Standardausstattung relativ leistungsschwach ist – und sich daher rein ökonomisch betrachtet möglicherweise kaum rentieren wird. Positiv entgegenhalten lässt sich dem die Nachrüstungsmöglichkeit, die das modulare Konzept des Kraftwerks ermöglicht. Ebenfalls interessant ist in dieser Hinsicht die Möglichkeit, ausschließlich den Powerstream-Wechselrichter und eine Powerstation von EcoFlow zu kaufen. So spart ihr euch die Kosten für wenig leistungsstarke Solarpaneels, kommt aber in den Genuss der smarten wie der Speicherfunktionen. Wird der Wechselrichter mit fremden Modulen verwendet oder wollt ihr weitere EcoFlow-Module nachrüsten, müsst ihr jedoch unbedingt darauf achten, die maximale Spannung von 55 Volt nicht zu überschreiten. Weiterhin beachtet werden müssen die anderen Vorgaben einer maximalen Eingangleistung von 2x 480 W, des Spannungsbereichs von 11 – 55 V (DC) sowie des maximalen Stroms von 2x 13 A.

Positiv zu erwähnen ist darüber hinaus der Umstand, dass die Gesamtleistungsfähigkeit per Firmwareupdate auf 800 Watt aufrüstbar ist. Bisher ist das in Deutschland aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich. Sollte hier jedoch eine Änderung erfolgen, seid ihr mit dem EcoFlow Powerstream bestens vorbereitet. Mit dem 2kWh-Storage-Kit oder einer aufgerüsteten anderen Variante könntet ihr die 800 Watt voll ausschöpfen.

Fazit: EcoFlow Powerstream

Insgesamt fällt unser Fazit zum EcoFlow Powerstream positiv aus. Insbesondere der modulare Aufbau, die Stromspeichermöglichkeit und die vielen Regulierungsmöglichkeiten sind uns angenehm aufgefallen. Alle angebotenen Optionen funktionierten dabei in unserem Test tadellos. Ferner haben wir die App als sehr übersichtlich gestaltet empfunden und bewerten die Tatsache, dass alle Verknüpfungen hier vollautomatisch vorgenommen werden, sehr positiv.

Einige Details trüben das insgesamt positive Bild jedoch. Zu verweisen ist hier auf die unserer Meinung nach nicht ausreichende Installationsanleitung sowie auf die relativ leistungsschwachen Solarpaneele. Wer mehr Leistung möchte, darf nicht zum Standardkit greifen – und erhält dann sehr viel teurere und nicht mehr flexible 400-Watt-Paneele. Diesbezüglich ist überdies darauf hinzuweisen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis eindeutig von der gewählten Konfiguration abhängig ist. Die günstigste Version ist zwar recht erschwinglich, jedoch leistungsschwach und ohne Stromspeichermöglichkeit. Auch beim mittleren Standardkit ist das Preis-Leistungs-Verhältnis eher mittelmäßig, sofern die Paneele von EcoFlow verwendet werden. Positiv herauszustellen ist hier die Möglichkeit, fremde Paneele zu verwenden. Das 2kWh-Storage-Kit ist wesentlich leistungsstärker, der Preis jedoch exorbitant.

EcoFlow Powerstream

Design und Verarbeitung
Montage
Leistung
Preis-Leistungs-Verhältnis

86/100

Ein modulares Balkonkraftwerk mit Speichermöglichkeit, das weitgehend überzeugen kann.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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