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Twitter verbietet externe Apps

Twitter hat bekanntgegeben, Dritten nicht mehr zu erlauben, eine API-Schnittstelle zu nutzen, um externe Twitterapps zu betreiben. Diese Entscheidung bedeutet eine Zäsur in der Geschichte des Kurznachrichtendienstes: Seine Popularität verdankt er historisch betrachtet auch und vor allem Apps von Dritten. Populäre Anwendungen wie Twitterific oder Tweetbot wird es damit nicht mehr geben.

Änderung der Entwicklervereinbarung

Das Verbot der externen Apps, die Twitter um Funktionen und Plattformen erweitern, war zu befürchten gewesen. Twitter hatte bereits letzten Donnerstag überraschend den API-Zugang für alle externen Unternehmen gesperrt. Alle Anwendungen rund um Twitter, die nicht von Twitter selbst stammen, funktionieren seitdem nicht mehr. Eine eindeutige Äußerung erfolgte trotz großen Medieninteresses bisher jedoch nicht. Das hat sich nun geändert.

Nachdem Endgadget eine aktualisierte Version der Entwicklervereinbarung des Unternehmens entdeckt hatte, gab Twitter offiziell bekannt, dass fortan keine Apps von Dritten mehr toleriert werden. Ihnen ist es laut Vereinbarung nicht mehr gestattet, „einen Ersatzdienst oder ein ähnliches Produkt wie die Twitter-Anwendungen zu erstellen“. Darunter fallen im Grunde alle Erweiterungen für die Plattform.

Große Umstellung nötig

Das wiederum dürfte bei den Nutzenden für Unmut sorgen. Zahlreiche Menschen haben bisher nicht die offiziellen Twitter-Apps, sondern alternative Anwendungen genutzt. Diese konnten primär mit einer übersichtlicheren Oberfläche sowie mit Zusatzfunktionen punkten. Dazu zählten etwa erweiterte Statistiken oder die Möglichkeit automatisierter Tweets.

Doch auch die Unternehmen, die sich auf derartige Erweiterungen für Twitter spezialisiert haben, stehen vor einem Umbruch. Sie müssen ihre Dienste, an denen mitunter zahlreiche Jobs hängen, einstellen und sich nach Alternativen umsehen.

Bruch mit Twitters bisheriger Ausrichtung

Twitterific
Anwendungen wie Twitterific sind ab sofort nicht mehr nutzbar.

Auch Twitter selbst steht damit vor einem erheblichen Umbruch. Die externen Dienste, die nun verboten wurden, haben den Kurznachrichtendienst entscheidend geprägt. Die iOS-App von Twitter etwa basiert auf einer Anwendung, die von einem anderen Unternehmen zunächst als externer Dienst entwickelt wurde. Twitter hat das Unternehmen Tweetie, das hinter der App stand, aufgekauft – und kam so zur nun sehr beliebten iOS-Anwendung. Tweetbot wiederum gilt als einer der beliebtesten Clients für Twitter – aufgrund der Übersichtlichkeit und des enormen Funktionsumfangs. Und der Begriff Tweet, der heute weit verbreitet und eindeutig mit Twitter assoziiert ist, stammt von Twitterific.

Die Abwendung von den Drittunternehmen, die bisher indirekt über die Ausrichtung Twitters mitbestimmten, zeigt einmal mehr, dass die Unternehmenspolitik sich unter Elon Musk deutlich gewandelt hat. Weitere Hinweise darauf bestehen etwa darin, dass Donald Trumps Account wieder freigegeben, kritische Medienschaffende gesperrt und Mitarbeitende, die sich mit der Überprüfung rechtswidriger Inhalte befassten, massenhaft entlassen worden sind.

Twitter verbietet externe Apps: Mastodon als Alternative?

Twitter verbietet externe Apps. Mastodon als Alternative?
Paul Haddad entwickelt eine Tweetbot-Version für Mastodon.

Sowohl Tweetbot als auch Twitterific haben sich ferner darüber beschwert, dass seitens Twitter keine offene Kommunikation stattfand. Tweetbot berichtete etwa davon, ohne Ankündigung oder Kommentar keinen Zugriff auf die entscheidenden Schnittstellen mehr gehabt zu haben.

Die jetzt erfolgte Entscheidung Twitters könnte insgesamt den Umstieg zu Mastodon als Alternative deutlich beschleunigen. Nach der Übernahme durch Musk waren bereits einige prominente Personen zu Mastodon abgewandert. Auch Tweetbot deutete nun in diese Richtung: „Oh well, on to smaller but greener pastures“, heißt es in einem Beitrag, den der Gründer Paul Haddad anlässlich der Aussperrung aus der API auf Mastodon teilte. Bekannt ist ferner, dass er bereits seit einiger Zeit ein Tweetbot-Äquivalent für Mastodon entwickelt.

Simon Lüthje

Ich bin der Gründer dieses Blogs und interessiere mich für alles was mit Technik zu tun hat, bin jedoch auch dem Zocken nicht abgeneigt. Geboren wurde ich in Hamburg, wohne nun jedoch in Bad Segeberg.

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